Erschienen in Ulmer Echo 1/2009

Kreativität ist der Weg und das Ziel

Die Kunstgruppe lässt den Dingen freien Lauf

Von Edy R.

Sabine ist die richtige Frau, um die Kunstgruppe hier in der Ulm zu leiten. Ursprünglich hatte sie nach abgeschlossenem Studium in einem Jugendclub der Stadt Düsseldorf gejobt und kam dort auf den Geschmack, Menschen aus den Randgebieten der Gesellschaft einen Zugang zur Kunst zu vermitteln. Die staatlich geprüfte Bildhauerin, ein Titel, der sie übrigens auch belustigt, fühlte sich in gewisser Hinsicht berufen, ihr Wissen an Menschen weiterzugeben, die im normalen Leben andere Dinge zum Zeitvertreib tun, als sich mit Kunst zu beschäftigen. Ihr Ziel ist es, den Kursteilnehmern freien Lauf zu lassen, ihre Gedanken zu übertragen, auch für einen Moment loszulassen von bedrückender Enge und Eintönigkeit. Zur Ulm kam sie ursprünglich als Ersatz für die erkrankte Kunstkursleiterin auf der AOA.

Jeden Mittwochabend
Seit November 2008 besteht der nun laufende Kunstkurs für nicht AOA- Member. Jeden Mittwoch von 18.00 bis 20.00 können bis zu 12 Teilnehmer dort versuchen, die ihnen verinnerlichten Vorstellungen mit Acrylfarbe auf die Leinwand zu bringen. Sabine steht mit Rat und Tat zur Seite, vermittelt ihr können auf sanfte, zwanglose, Art und Weise. Jede Frage zum Thema ist willkommen. Einige Motive sind von Seiten der Anstalt nicht erlaubt, sie zu malen unerwünscht. Es handelt sich um Gewaltverherrlichung, religiöse Bilder und Waffen. Jeder zeigt Verständnis dafür, drückt sich malerisch auf seine Art aus, oft auch angeregt durch die im Kurs vorhandene Bücher und Vorlagen..

Kunst fördert den Denkprozess
Die Teilnahme ist rege, der Kurs gefragt und bei den Gefangenen beliebt. Die meisten sind schon von Anfang an dabei, ihre künstlerische Fortschritte deutlich sichtbar. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ein Denkprozess für die Problembewältigung der Insassen in Gang gesetzt ist. Durch das Umsetzen der Gedanken entsteht eine Form der Befreiung, die in Bildern ausgedrückt wird.

MultiKultiFreeZone
In dieser Umgebung, in der Freiheit zum Fremdwort wird, entsteht eine Art der Free-Zone, die besonders wichtig ist. Viele ausländische Mitbürger nehmen an dem Kurs teil, ein Hauch von Multikulti breitet sich über der Schaar der Künstler aus. Die Diskussionen befassen sich nicht mit den meist langweiligen und eintönigen Knastthemen, sondern es geht um die Kunst und die Fertigstellung der Werke. Anträge zur Teilnahme sind an den Freizeitkoordinator mit dem Vermerk Kunstgruppe zu stellen.


Die Gemälde auf dieser Seite dürfen wir durch die Erlaubnis der Künstler veröffentlich




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