Erschienen in Ulmer Echo 1/2009

betrifft: Urlauber in Medien
betrifft: Einarmige Hausarbeiter gesucht
betrifft: Umgang miteinander
betrifft: Lob des Kaufmanns
betrifft: Telefonkosten
betrifft: Das „Ei“(UE 2/2008)
betrifft: Hundehütte
betrifft: Ausgleichsverlegung
betrifft: WZ verschwunden
betrifft: Lockerung
betrifft: kein Taschengeld
betrifft: Sozialdienst sozial?
betrifft: Entlassung ohne alles
betrifft: Drogen im Knast
betrifft: Dach über dem Kopf
betrifft: Privatisierung
betrifft: Artgerechte Haltung
betrifft: Beamte mit Seele
betrifft: Ombudsmann war da und es ist was passiert
betrifft: Schwerstabhängige

betrifft: Urlauber in Medien
Für wie dumm werden wir denn alle gehalten? In den Medien ist zu lesen, dass ein Hafturlauber „Mist gebaut“ hat, wie es in der Knastsprache heißt. Betrunken klaute er einen Lastwagen, fuhr durch die Stadt und demolierte einige Autos. So in der Zeitung zu lesen. Das Volk liest so etwas erregt, vielleicht sogar vor Wut schäumend: wie kann denn so einer so schlimme Dinge anrichten, wo solche Burschen doch eigentlich alle eingesperrt sein sollten, damit brave Bürger unbehelligt, in Ruhe und Frieden leben können. Wieviel Dummheit wird unterstellt? Warum wird nie und niemals über die Urlauber und Ausgänger gesprochen und berichtet, die ihren Urlaub oder Ausgang in keiner Weise missbrauchen, sondern die Zeit mit ihren Lieben verbringen oder frische Luft schnappen, also nichts Verwerfliches tun? Es sind TAUSENDE, die so versuchen sich den Normen der Gesellschaft wieder anzupassen. Es ist also ein Fall unter Tausenden, den die Zeitung berichtet hat. Wir sollten mal überlegen, was uns da berichtet wird. Wer schreibt mal, wie wichtig der Urlaub ist für alle, die ihre Entlassung vorbereiten oder sich nach langer Haft wieder ans Leben draußen gewöhnen müssen? Und ist alles wahr, was geschrieben wird – auch wenn ganz Vieles ungeschrieben bleibt? [vb]

betrifft: Einarmige Hausarbeiter gesucht
Wie mir bekannt wurde, werden in der Anstalt einarmige Mitarbeiter für den Dienst als Hausarbeiter gesucht. Die Arbeit ist nicht allzu schwer und es wird keine abgeschlossene Berufsausbildung vorausgesetzt. Vorkenntnisse im Umgang mit Lebensmitteln wären hilfreich, jedoch wird bis jetzt jeder genommen, der zu wissen glaubt, wie das Essen an den Zellentüren irgendwie in die hingehaltenen Schüsseln zu bekommen ist. Das dürfte als Grundkenntnis genügen. Einarmig zu sein ist eine Bedingung für diesen Job, die offiziell natürlich nicht gefordert wird. Die Aufforderung des Hygienebeauftragten der Anstalt lässt sich aber anders nicht deuten. Denn wenn nur 50 Einmalhandschuhe für 50 Essensausgaben pro Hausarbeiter zur Verfügung gestellt werden, kann das keinen anderen Hintergrund haben als dieHoffnung auf lauter Einarmige. [vb]

betrifft: Umgang miteinander
Wir rühmen uns, dass wir im Zuge des Fortschritts allerlei auf den Weg bringen, um alte oder neue Leiden aus dem Weg zu räumen. Die Frage bleibt nur, ob wir nicht das Wesentliche übersehen: den Umgang mit den Anderen, mit denjenigen, die sowieso schon am Boden liegen und sich kaum noch bewegen können. Strafe muss sein, dass weiß jedeR. Das „Wie“ können aber nur wenige erklären. Gilt „Auge um Auge“ oder, neuzeitlicher, Vergebung? Ich weiß es auch nicht, weiß aber, dass Amokläufe gezüchtet sind, durch Menschen ausgeführt, die nicht mehr weiter wissen oder die Andere für ihr Elend verantwortlich machen. Die Art und Weise, wie wir mit Menschen in Notsituationen umgehen, ist für das weitere Verhalten der Betroffenen grundlegend. Wer einen Dienst auszuführen hat, sollte darüber nachdenken, wieviel er dazu beitragen kann, dass das, ohne Zweifel, in allen vergrabene Böse nicht geweckt oder verstärkt wird, um Ausrasten zu verhindern. [vb]

betrifft: Lob des Kaufmanns
Der Kaufmann unserer Anstalt muss hier auch mal lobend erwähnt werden. Wenn er etwas falsch auszeichnet oder sich verrechnet, kümmert er sich auf Zuruf um Falschlieferungen bzw. unkorrekte Rechnungen. Es kam vor, dass er Artikel billiger angepriesen hatte, als hinterher berechnet wurde; aber auf Hinweis hat er sich für seinen Fehler entschuldigt und die Differenz von der Einkaufssumme abgezogen oder andere Dinge an Stelle dessen ausgegeben. Also (Spitz pass auf!) immer schön nachrechnen und sich bei Fehlern sofort melden. Sprechenden Menschen kann geholfen werden. [vb]

betrifft: Telefonkosten
Verwunderlich ist immmer wieder die Abrechnung der Telefonkosten. Es ist den meisten Recht, zu welchem Preis auch immer, telefonieren zu können. Hauptsache, es gelingt überhaupt, mal in den Genuss des sparsam gesäten Gutes „Telefonat“ zu kommen. Dennoch: warum kommt die Abrechnung jedes Mal auf einen anderen Betrag? Mal kosten 15 Minuten 1,00 €, teils nur die Hälfte, öfter noch weniger, ganz selten auch mehr. Verwunderlich, weil doch im Zeitalter der Flatrate sowieso alles egal ist bei Anrufen von Festnetz zu Festnetz. Wenn ich immer die gleiche Festnetznummer anrufe und das immer am Abend, sollten die Kosten auch immer die gleichen sein. Sind sie aber nicht. Weiß der Knast noch nichts von der Flatrate, oder wird mit dem Telefonieren der Gefangenen an irgendeiner Stelle Geld verdient? [vb]


Anmerkung der Redaktion: JVAen bekommen von keinem Anbieter eine Flatrate angeboten (z.B. Heime auch nicht). Die Kostenunterschiede können wir allerdings nicht erklären.

betrifft: „Das Ei“ (UE 2/2008)
Jedes Mal, wenn ich mir zu Hause ein Ei koche, muss ich wirklich lachen. Über die Blödmänner in der Knastküche, die es nicht auf die Reihe kriegen, ein normales Ei zu kochen. Ich hab es dann auch mal probiert, die Eier so zu kochen, wie sie im Knast waren. So total sch..., nicht zu essen, nur zum Wegschmeißen. Aber es ging nicht, ich will sagen, dass es mir nicht gelungen ist. Ich wollte mir aber auch nicht die Mühe machen, an die Küche der Ulmer Höh´ zu schreiben, um mir das Rezept schicken zu lassen. Ist ja vielleicht ein Staatsgeheimnis, quasi eins um die Leute drinnen richtig durchzunerven. Sollte das Rezept zum Richtigeierkochen fehlen, bin ich gerne bereit, meins unentgeltlich zu überlassen. Gerne auch gemalt. [vb]

Christian K.

betrifft: Hundehütte
Komisch ist doch, dass der Begriff Hütte in der Knastsprache für den Haftraum steht. Wer das erfunden hat, weiß keineR und ist in keinem Lexikon vermerkt. Bei genauerem Nachdenken: es trifft den Nagel exakt auf den Kopf. Warum spricht der Gefangene selbst von seiner „Hütte“, wenn er seine Behausung meint? Vielleicht, weil es einfacher für ihn ist, es dort auszuhalten, wenn er sich in diesen Löchern wie ein Hund fühlt? Eine Verordnung zur Hundehaltung sagt, wie viel Platz einem Vierbeiner zugestanden werden muss, wenn er in einem Zwinger gehalten wird (also: einer wie im Knast meist verschlossenen Hundehütte). Vom Gesetz her gibt´s Ärger, wenn der Hund auf zu engem Raum gehalten wird. Zwei in einer „Hütte“ ist verboten, wegen des Platzes und weil die sich beißen könnten. Also wende dich an den Tierschutzverein, statt der Justiz die Ohren vollzujaulen. Mit „Wau, wau!“ grüßt ein ehemaliger Leidensgenosse [vb]

betrifft: Ausgleichsverlegung
Ich komme als Ausgleichsverlegung von der JVA Wuppertal, hatte dort über 9 Monate Einzelzelle und Arbeit. Jetzt, ohne mein Verschulden, wieder dieses monatelange Warten und der Rythmus, der keiner ist und in dem nix passiert. Vor allem hatte ich befürchtet, auf eine der in Düsseldorf verbreiteten Doppelbelegungen in den winzigen Einzelzellen zu gelangen, in denen hier ein paar Hundert Gefangene sitzen. Tatsächlich bin ich nun auf einer 3er-Hütte mit Klo, die sind größer, und immerhin wurde der frühere Vorhang durch eine WC-Abtrennwand ersetzt. [vb]

betrifft: WZ verschwunden
Leider war ich schon bei euch und da ich draußen immer schon WZ- Leser war, empfand ich es als angenehm, eine WZ umsonst zu bekommen. Zwar war es oft mit Kampf verbunden, eine zu ergattern, aber nach einer Weile ging es ganz gut. Jemand sagte, das jeden Tag ein paar Hundert Stück hierher geliefert werden, offensichtlich von der WZ gesponsort(?). Das ist sehr gut. Eine sehr auffällige Sache möchte ich öffentlich machen. Komischerweise war immer mittwochs (!) keine WZ verfügbar. Denn da gib es die Fernsehzeitung PRISMA, als Beilage. Obwohl jeden Tag die gleiche Menge geliefert wird. Machen Hausarbeiter Geschäfte? Oder gibt es Bedienstete, die keine Zeitung abonniert haben? Tauchen irgendwann irgendwo zehntausende PRISMA auf? [vb]

betrifft: Lockerung
Ich möchte euch kurz schildern was mir widerfahren ist, als ich einen Ausgangsantrag stellte und mir der Abteilungsleiter mitteilte, dass ich raus darf, falls die Fachdienste zustimmen. Nachdem ich dann mit der Sozi und der Psycho gesprochen habe und die beiden mir ihre Zustimmung für den Ausgang gaben, informierte ich meine Familie und meine Freundin, dass ich in Kürze zum Ausgang habe. Nun zweifle ich aber echt an der Glaubwürdigkeit der Leitung, denn der Anstaltsleiter sagte mir nur schlicht: „Antrag abgelehnt“! [vb]

betrifft: kein Taschengeld
Gerne möchte ich euch ein Problem schildern und hoffe auf Veröffentlichung. Über 12 Wochen war ich in U-Haft und vollkommen mittellos. Bei dem für mich zuständigen Sozialarbeiter habe ich Sozialgeld (Taschengeld von der Stadt) beantragt. Geduldig wie ich bin, habe ich Woche um Woche gewartet, natürlich umsonst. Nach 7 Wochen habe ich dann freundlich, mit der gebotenen Demut, nachgefragt. Es wurde geprüft, es wurde recherchiert, dann entschuldigte sich der Sozialarbeiter bei mir, er hatte den Vorgang schlichtweg vergessen. Kann ja mal vorkommen, Fehler sind schließlich menschlich. Weitere 2 Wochen verstrichen, ich fragte erneut nach: „Also ich kann hier keinen Antrag von Ihnen finden, und ohne Antrag geht hier ja gar nichts.“ Nach dieser Aussage bin ich natürlich verwirrt. Klar, ich hatte doch den Antrag gemeinsam mit dem Sozialarbeiter ausgefüllt; und nun angeblich nicht mehr? Ich befürchtete schon, dass das Geld kommt, wenn ich meine Hauptverhandlung längst hinter mich gebracht habe. Aber: es geschehen Zeichen und Wunder! Nach geschlagenen 12 Wochen erhielt ich das Sozialgeld für den Zeitraum von 3 Monaten überwiesen. Überraschender Weise leider genau am Tag nach dem Einkaufswochenende. Voller Hoffnung, dass dies ein einmaliger Vorgang war Euer [vb]

betrifft: Sozialdienst sozial?
Der Sozialdienst sollte eine Institution im Knast sein, die den Insassen mit Rat und Tat zu sozialen Fragen zur Seite steht. Eigentlich sollte es eine Anlaufstelle für alle sein, die draußen noch etwas zu erledigen haben oder etwas zu sichern, wie z.B. eine Wohnung, Dokumente oder Sachwerte, die nicht abhanden kommen sollen. Es sollte ein Dienst sein, der für die Insassen da ist, ihnen Gehör verschafft, Problematiken klärt, die oft mit einem einzigen Telefonat abzuhaken sind. Somit würde er auch zur Beruhigung des Betroffenen beitragen, und Bezug zum Leben außerhalb der Mauern aufrecht halten, zumindest als Bindeglied dienen. Wie kann es dann sein, dass Personen aus dem sozialen Dienst über von ihnen abhängige Menschen entscheiden, die z.B. Beurteilungen für ihre Entlassung brauchen, aber das ohne persönliche Gespräche, ohne Kontakte zur Person des Bittstellers, einfach nach Aktenlage bescheiden? So erging es mir. Ist das sozial? [vb]

betrifft: Entlassung ohne alles
Wieder eine schöne kleine Geschichte aus dem Alltag der Justiz, die sich in großen Lettern auf die Fahnen geschrieben hat, den Gefangenen zu resozialisieren. Einer, ich, wurde absehbar entlassen, kümmerte mich selbst um eine Wohnung. Nach langen Kämpfen wurde Ausgang bewilligt und ich wurde bei der Vermieterin vorstellig. Alles war klar, bis auf die Bescheinigung vom Arbeitsamt, dass ich nach der Entlassung ALG 1 beziehe, also in der Lage bin, meine Miete zu zahlen. Doch der Knast stellt die Arbeitsbescheinigung erst nach der Entlassung aus, die Agentur für Arbeit kann aber ohne die Bescheinigung keinen Leistungsbescheid erstellen. [vb]

betrifft: Drogen im Knast
Guten Tag, ich möchte hiermal den „Avocato Diabolo“ spielen, und fragen, warum im Knast Drogen konsumiert werden? Sinnentleerte 22,5 Stunden sind wir täglich in unseren Zellen eingesperrt; die Gedanken wollen nicht aufhören, um immer die selben Themen zu kreisen. Der Eine betäubt sich mit „nonstop“-Fernsehkonsum, der Nächste liest ein Buch nach dem anderen; alles nur, um die Wirklichkeit auszublenden. Tja und dann gibt’s auch noch die Möglichkeit, sich diese Auszeit durch Konsum von Drogen oder Alkohol zu verschaffen. Was könnte uns denn, zumindestens teilweise, vor dieser Langeweile bewahren? Richtig: Arbeit z.B., aber auch Besuch, sinnvolle Freizeitangebote, mehr Sport ... Absolut sinnlos, ja sogar widersinnig erscheint mir daher diese nicht nur in Rheinbach übliche Disziplinarstrafe: wer sich beim Drogenkonsum erwisachen lässt, dem wird die Arbeit entzogen. Die Wirkung dieser Maßnahme: noch mehr „tote“ Zeit – und dann wahrscheinlich noch mehr Versuchung der Drogen ... Viele Grüße [vb]

betrifft: Dach über dem Kopf
Jetzt, da die Abende wieder länger und die Tage kürzer werden, beginnt auch wieder die Regenzeit. Da möchte ich etwas zu schreiben. Ich habe durch längere Aufenthalte in diversen NRW-Anstalten auch viele Freistundenhöfe erlebt. Es gibt so gut wie keinen, der bei Regen, eine Unterstellmöglichkeit bietet. Wenn es richtig regnet sind ein paar verkrüppelte Bäume, die im Herbst ihre Blätter verlieren, der einzige Schutz vor Regen, doch 50 oder gar 100 Leute können darunter keinen Schutz finden. Regenschirme sind verboten und Anstaltsparka halten keinem richtigen Guss stand; deren Imprägnierung ging wohl schon vor Jahren verloren. Kein Wunder bei einer Jacke, die schon von tausend oder mehr Insassen getragen wurde. Gut ist, dass wenigstens die Beamten, die den Hofgang bewachen, eine Hütte zum Unterstellen haben. Die tun ja auch nur ihren Dienst und hätten wohl schon bei ihrer Gewerkschaft gemeckert, wenn dem nicht so wäre und sie sich ihren Pelz nass regnen lassen müssten. Die Gefangenen haben ja auch (k)eine Wahl: sie könnten in ihrer Zelle bleiben und auf den nächsten Tag warten, um dann in die Freistunde zu gehen. Falls es nicht regnet. Oder auf den Tag danach, schließlich wird ihnen die gesetzlich eingeräumte Freistunde ja zugestanden. [ [vb]

betrifft: Privatisierung
Zum Ulmer Echo 2/2008 muss ich als Redakteur der GZ „Einblick“ in Hünfeld doch ein paar kleine Anmerkungen zum Thema Privatisierung auf Seite 25 machen. Vieles ist richtig, was Prof. Weber über die Teilprivatisierung sagt. Aber wichtig ist, dass wir nur in 2 Schichten arbeiten und es keine Ausbildungsplätze mit qualifiziertem Abschluss vor der IHK gibt. Des Weiteren gibt es in allen Knästen Positives und Negatives zu berichten und wie überall landet die Kostenersparnis auf dem Rücken der Gefangenen [vb]

Christian K.

betrifft: Artgerechte Haltung
Sehr geehrte Redaktion, als Beauftragte für den Tierschutz habe ich mich auf das Überleben und den Erhalt von Opossums spezialisiert. Bei meiner Arbeit fiel mir die Sonderausgabe „Gitterleben – Alltag im Vollzug“ des Ulmer Echo in die Hände. Es ist schon ein Unterschied, wie viel wir für Tiere, die in Not geraten sind, tun und an wieviele Vorschriften ich mich halten muss, um meinen kleinen Nagern eine artgerechte Haltung und Unterbringung zu gewährleisten. Ich gebe mir viel Mühe, den Tieren gerecht zu werden und frage mich, warum Menschen das nicht auch für Menschen tun. Aus „Gitterleben“ geht zweifelsfrei hervor, dass diese Menschenkäfighaltung nicht artgerecht ist. Würde ich meine Tiere so halten, die Empörung in der Öffentlichkeit wäre groß. [vb]

betrifft: Beamte mit Seele
Zum Glück habe ich mit dem ganzen Justizsystem nichts mehr zu tun, durfte jedoch reichlich Erfahrung sammeln. Natürlich unfreiwillig. Wo man auch hinkommt, was immer passiert, die ausführenden Kräfte sind immer Menschen. Menschen, wie wir sie aus unserem Alltag kennen, mit all ihren guten und auch überwiegend schlechten Seiten. Den Vorteil, den wir in Freiheit genießen ist, dass wir uns entfernen können, wenn und wann immer wir wollen. Geht jedoch strafrechtlich etwas schief, ist es im Gefängnis bei Leibe nicht einfach, demjenigen zu entkommen, dem Schlüsselgewalt auch noch Spaß macht. Der, durch welche Frustration auch immer getrieben, sein Privatleben mit zur Arbeit bringt und denen, die schon genug gestraft sind, mal so richtig zeigt, wer Herr im Hause ist. Egal, welcher Auswuchs von Willkür auf uns einprasselt, bes bleibt doch zu bedenken, dass die paar guten Seelen, die sich immer unter das Mittelmaß mischen, uns ein spürbar unerträgliches Leben doch versuchen lebenswert zu gestalten und uns so ein bisschen dabei helfen, über den Tag zu kommen. Denen sei Dank. Ihr seid wenig. Euch vergessen wir nicht. [vb]

betrifft: Ombudsmann war da und es ist was passiert
Es war, gelinde ausgedrückt, sehr erfrischend zu sehen, zu hören und vor allen Dingen zu merken, dass der Ombudsmann kein Statist aus irgendeinem Justizkabarett ist, sondern eine Institution darstellt, die sehr genau weiß, was sie tun kann. Das mag an seinem früheren Beruf liegen, Richter. Der Herr hat sich für meine Sache eingesetzt und das Resultat ließ nicht lange auf sich warten. Auf gar keinen Fall so lange wie zuvor bei Beschwerde in der Anstalt. Den Düsseldorfer Knoten hatte er schnell durchschlagen, mit einem Worthieb wohl und mir war sehr geholfen. Endlich! Es lohnt sich, seine Sorgen beim Ombudsmann vorzutragen. [vb]

betrifft: Schwerstabhängige
Obwohl die Behandlung von Schwerstabhängigen mit medizinisch reinem Heroin auf Rezept längst Gesetz ist, wird in den JVAs die entsprechende Klientel immer noch in die Illegalität getrieben. Um der Krone eine Spitze aufzusetzen, soll zukünftig, nach dem Willen des NRW-Landeskabinetts, das Einschmuggeln von Drogen in JVAs mit Freiheitsentzug von bis zu 15 Jahren geahndet werden. Und das ist moralisch einwandfrei? [vb]

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