Erschienen in Ulmer Echo 1/2009

„Öffnet die Türen für Christus“-Missionale Düsseldorf

„Abend der Begegnung“ öffnete die Gefängistüren für Besuch beim Gefängnisverein

Von Wolfgang Sieffert OP

Die Besucherinnen und Besucher mussten viele Türen und Gitter passieren. Dann waren sie endlich am Ziel: in der Kirche der Ulmer Höh´. Die Frauen und Männer kamen aus katholischen und evangelischen Gemeinden, von den Gerresheimer Krippenfreunden und der Altstadt-Armenküche, dabei war auch der Streetworker des Straßenmagazins fiftyfifty. Eingeladen hatte der Katholische Gefängnisverein, durch den schon seit dem vorletzten Jahrhundert Ehrenamtliche in das Düsseldorfer Gefängnis kommen und Inhaftierte zu begleiten.

„Nicht an denen vorbei, die am Rand stehen“
„Gefangene und die Wirklichkeit des Gefängnislebens bleiben für Menschen draußen weitgehend unsichtbar. Die Missionale darf nicht an denen vorbei gehen, die am Rand stehen.“, sagte Pfarrer Spiegel, der seit einem Vierteljahrhundert Gefängnisseelsorger ist. So lud der Gefängnisverein zu einem „Abend der Begegnung“ aus verschiedenen Gruppen, die ihn unterstützen, Personen ein, die sonst nicht in die Haftanstalt kommen. Nachdem die Besuchenden an der Außenmauer entlang das alte Gefängnisgebäude umrundet hatten, trafen in der Kirche gefangene und freie Menschen zusammen. Sie feierten einen Gottesdienst, dessen Lieder, Texte und Musik Inhaftierte mitgestalteten. Anschließend gab es reichlich Zeit, sich in gemischten Gruppen bei einem Imbiss auszutauschen. „Das hätte ich nicht gedacht, dass es so wenig Besuch und Kommunikation gibt.“, wunderte sich einer der Gäste. Auch andere von „draußen“ staunten, wie belastend das Leben im Vollzug ist. Umgekehrt interessierten sich die Gefangenen für die Gäste, deren Berufe oder Gemeindeleben. „Toll, die schicken aus ihrer Gemeinde jedes Jahr Weihnachtspäckchen für die, die hinter Gittern stecken und draußen niemand haben.“, erzählt einer, der noch vier Jahre im „Bau“ vor sich hat. Für ihn waren der Besuch und die Gespräche ermutigend. „Es gibt Menschen, die uns trotz Straffälligkeit respektieren. Das zu erleben, tut gut.“

Eine Kerze als Zeichen
Der Abend schloss mit Vater unser und Segen. Alle nahmen eine Kerze mit als Zeichen, dass Menschen füreinander Licht sein können und jede Begegnung Hoffnung stiftet. Bei der Verabschiedung zeigten sich Unsicherheiten, wie immer, wenn die einen in den Nachtverschluss hinter verschlossene Zellentüren und die anderen in ihr eigenes Zuhause gehen. Zwei Frauen aus Vennhausen zeigten sich aber sicher, dass sie nicht zum letzten Mal hinter Gittern sind: „Wir kommen wieder! Wir werden den nächsten Kurs für Ehrenamtliche mitmachen.“ Klaus Heidkamp, der die Ehrenamtlichenarbeit koordiniert, freut sich: „Das war ein spannender Abend und eine gelungene Begegnung. Und natürlich ist es auch wunderbar, wenn dabei neues Engagement entsteht.“ [Der „Abend der Begegnung“ fand am 8.6.09 in der JVA Düsseldorf statt]





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