Erschienen in Ulmer Echo 1/2009

Ulmer Echo: Pressefreiheit-ausgerechnet im Knast

Von Edy R.

Aus: SZ

Unsere Medien lieben es, zu berichten. In Hülle und Fülle erreichen uns jeden Tag Neuigkeiten im Fernsehen, in Zeitungen und Internet. Die Medien lieben es, uns zu berichten: was so alles passiert; warum es passiert ist; was als nächstes passieren wird; wer daran schuld ist ... Eine Flut von Informationen, und am Ende eines Tages kann es gut sein, dass wir zu wissen glauben, was richtig und was falsch ist, wen wir loben und wen wir verurteilen müssen

Die Öffentlichkeit erwartet...
...ja was denn? Eigentlich doch nur, was vorher durch die Medien bereits angeschoben wurde, was sauber geplant und meist von hinten uns als richtig beigebracht wurde. Wir brauchen nicht mehr selbst entscheiden: einfach nur zuhören und zusehen und schon ist alles in die richtigen Bahn geleitet. Fehler eingeschlossen, Fehler, die wir dann in unser Bewusstsein übernehmen. So zieht sich ein Faden des Gesteuertsein durch unser „freies“ Leben und Denken, gesteuert durch Leute im Hintergrund. Die SZ-Karikatur hat das, sehr schön getroffen. Einer fährt und erklärt, gut, so lange der Chef nicht hinten sitzt und vorne nur der Blödmann.

Und das Ulmer Echo?
Fremdgesteuert? WIR NICHT. Das schreiben wir in großen Lettern und meinen das auch so. Pressefreiheit ist für uns nicht nur ein Wort. Wir schreiben, was wir wollen, geben unseren LeserInnen die Wahrheit nach bestem Wissen und Gewissen in unverblümter Form, brauchen keinem/keiner einen Gefallen tun, treten auch auf Füße und lassen uns nicht zu Deals zwingen. Wir gehören zu diesen Presse-Dinosauriern, denen noch nicht das Wasser abgegraben wurde, die nicht (wie die meisten in der Knast-Büßer-Presse) schreiben müssen, was gewollt wird, um ein schönes rundes Weltbild zu erhalten, das schon lange nicht mehr zu unserer Welt passt. Das danken wir dem Kath. Gefängnisverein als Träger. Und darauf geben wir unser Wort: dass unsere Berichterstattung so ist, wie sie sein soll: neutral und korrekt. So machen wir weiter, verlasst euch drauf! Es lebe die Freiheit, für alle.

Umzug der Redaktion des Ulmer Echo

Hier sind die neuen Räume der Redaktion

Redaktion und Druckraum des Ulmer Echo sind im Oktober 2009 aus der Abteilung 5 im B-Flügel in die Abteilung 13 Raum 25 und 26 umgezogen. Hier, vor der Kirche, gibt es leider kaum Kontakt zu anderen Inhaftierten. Also: schreibt uns! Der Briefkasten ist am alten Platz auf dem Spiegel verblieben.












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