Erschienen in Ulmer Echo 1/2009

Kultur und Feiern hinter Mauern

6.Internationaler Abend in der Kirche der Ulmer Höh`

Von Peter K.

Foto: Thea Weires Kurz vor 18 Uhr, es war der 23. November 2009, kamen die zugelassenen Insassen in die Kirche der Ulmer Höh’. Sie waren gespannt auf den 6. Internationalen Abend, der erstmalig von dem neu zusammengesetzen MIKE-Team und der Vernetzungsgruppe organisiert wurde.

Was ist ein „Internationaler Abend“?
An diesem Abend ging es hauptsächlich darum, verschiedene Kulturen, die auch unter den Inhaftierten vertreten sind, vorzustellen. Außerdem können auch noch mit Mitgliedern der Vernetzungsgruppe und des Beirates Gespräche geführt werden. Leider waren aus terminlichen Gründen nur wenige Gesprächspartner anwesend und es gab wenig Gelegenheit, eigene Anliegen zu klären. Dies ist allerdings auch in den Sprechstunden des Beirates möglich.

Highlights bei diesem Internationalen Abend
Foto: Thea Weires Es gab allerdings einige Highlights bei diesem Abend. Wir hatten zum einen Darbietungen einer russischen Hip-Hop Band aus Wuppertal. Leider waren kaum russisch sprechende Gefangene zugelassen, denn BD Records legte eine gute Session hin. Im Anschluss trat ein türkischer Musiker auf, der seinem Keyboard morgenländische Melodien und Rhythmen entlockte und dazu sang. Das war für die meisten wohl zu lang, aber vielleicht sehen das türkische und arabische Inhaftierte anders, denn hier tanzten auch Gefangene. Großes Interesse fand die Beamer-Präsentation der Künstlerin Thea Weires, die mit Aufnahmen von Insassen und Bediensteten ihr Kunstprojekt „K.N.A.S.T. by the way“ zusammengestellt hat. Bauchtänzerin Janina schließlich war einfach gut – und verdrehte nahezu allen Inhaftieren und Bediensteten durch ihre Darbietung den Kopf. Hier fand das Morgenland allgemeine Begeisterung und alle fanden super, dass Janina sogar zwei Mal auftrat.

Foto: Thea Weires Start mit der Hausband
Der Abend begann allerdings (in Vertretung eines spanischen Beitrags) mit dem Auftritt unserer Band „In the House“, die selbstgetextete Lieder in einem eher „romantischen“ Stil vorgetragen haben. Die Begeisterung hielt sich trotz eines engagierten Vortrags in Grenzen; vielleicht gibt es ja mal was anderes als Kuschelrock?

Internationales Buffet
Nach „In the House“ eröffneten der Ausländerbeauftragte Herr Rukaj, der Anstaltsleiter Herr Lorenz und der GMV-Sprecher U. A., der auch das Programm moderierte, den Abend. Anschließend ging es direkt zum Buffet. Dort standen verschiedene nationale Spezialitäten bereit: aus den USA Cheeseburger, aus Bella Italia natürlich Pizza, Russland war verteten durch gefüllte Teigtaschen (Pelmenis) und aus der Türkei Börek. Dazu gab es Cola und Wasser. Zeit für Essen und Smalltalk gab es nach jedem Auftritt.

Unser Eindruck
Alles in allem ein gelungener Abend. Es hat nur an der Abwechslung etwas gemangelt, weil leider der spanische Beitrag ausfiel. Das hat allerdings einen zweiten Auftritt der Bauchtänzerin ermöglicht. Einen herzlichen Dank für diesen besonderen Abend bei allen beteiligten Personen, den Sponsoren und den Organisatoren, die das möglich gemacht haben. Wir freuen uns schon auf die nächste Veranstaltung und hoffen, dass dann auch andere Inhaftiertengruppen eingeladen werden.

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