Erschienen in der Sonderausgabe Drogen 2008

Die Kaffeecrew

Von Alex B. und Wolfgang Sieffert OP

Mit 160 Litern pro Person und Jahr ist Kaffee heute Alltagsgetränk. Das einstmals teure Vergnügen hat Bier längst überflügelt und ist in Deutschland flüssiges Genussmittel Nr. 1. Kaffee ist eine Droge, das ist hinlänglich bekannt. Doch ähnlich wie Zucker ist Kaffee gesellschaftlich so sehr integriert, dass zum freudlosen Miesmacher erkoren wird, wer Bedenken kund tut.

Heilendes Getränk?

Kaffee „heilt“ vor allem die Müdigkeit, hebt Konzentration, Stimmung und Antrieb. Koffein vereitelt die Arbeit des Neurotransmitters Adenosin, fördert die Aufnahme von Serotonin und erhöht – wie alle anderen Drogen - die Dopaminkonzentration. Adenosin aber ist von der Natur dazu gedacht, die Gehirnzellen vor Überarbeitung zu schützen und signalisiert, wann es gut wäre, eine Ruhepause einzulegen. Tatsächlich werden auch beim Kaffeegenuss die bekämpften Leiden mit der Zeit verstärkt. Verbiete einem Kaffeetrinker seine morgendliche Tasse und schau zu, was passiert: Resignation, Niedergeschlagenheit, Schwunglosigkeit, leichte Irritiertheit, manchmal Angst, Müdigkeit sowie Arbeitsunlust sind zu beobachten. Als wissenschaftlich gesichert gilt die Erkenntnis, dass bei längerer Gewöhnung schon an geringe Mengen Koffein typische Abhängigkeitserscheinungen auftreten, am häufigsten Kopfschmerzen, Müdigkeit und verminderte Konzentration.  Sie setzen in der Regel 12 bis 24 Stunden nach der letzten Koffeineinnahme ein und erreichen ihren Höhepunkt nach ca. 20 bis 40 Stunden; nach etwa einer Woche sind sie wieder abgeklungen. Vor allem ein diffuser nicht pulsierende Kopfschmerz hinter der Stirn ist typisch, der nach neuerlicher Koffeinaufnahme sofort nachlässt. Er kann unangenehm werden und ist ein entscheidender Antrieb für die Daueraufnahme.

Gefahr des Kaffeetrinkens

Experten streiten, ob bereits fünf oder erst zehn Tassen pro Tag reichen, um als Koffeinist zu gelten. Regelmäßige Kaffeetrinker leben mit besonderer Gefährdung, denn ihnen drohen Verwirrtheitszustände mit Personenverkennung, epilepsieartige Krämpfe, Bluthochdruck, Herzrasen, sowie Aggressivität, Angstzustände und depressive Verstimmungen.

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