Erschienen in der Sonderausgabe Drogen 2008

Gefährliche Rauchzeichen *

Erster Welt-Tabak-Bericht. Jährlich sterben fünf Millionen Menschen

Die Weltgesundheitsorganisa-tion (WHO) hat für ihren nun veröffentlichten ersten Welt-Tabak-Bericht Zahlen aus 179 Ländern zusammengetragen. 99% der Weltbevölkerung sind von der Studie erfasst. Fazit: „Tabak entwickelt sich zu einer der größten Gesundheitskatastrophen der Menschheitsgeschichte. Wir müssen jetzt handeln, um die weltweite Tabak-Epidemie einzudämmen.” Alle sechs Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Mensch an den Folgen des Tabakkonsums - in den meisten Fällen durch Krebs, Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Im 20. Jahrhundert hat das Rauchen hundert Millionen Menschen getötet, Tabak fordert also mehr Opfer als Tuberkulose, Aids und Malaria zusammengenommen. „Tabak ist das einzige legal verfügbare Verbrauchsgut, das Menschen tötet, wenn es ganz wie vorgesehen benutzt wird”, heißt es im WHO-Bericht.

Steigende Zahlen

Die meisten Gesundheitsschäden, die durch das Rauchen verursacht werden, treten erst nach Jahren oder gar Jahrzehnten auf. Hinzu kommt, dass der Tabakkonsum weltweit ansteigt - vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ein weiterer Trend: „Auf Frauen ausgerichtete Werbung mit Models, Sponsoring und Spenden für frauen-spezifische Zwecke schwächen die kulturell bedingte Abneigung von Frauen gegen den Tabak-Genuss.”

Wirtschaftlicher Schaden

Die Daten sind unvollständig und schwer zu überblicken. Halbwegs verlässlich sind die Kosten, die den Krankenkassen durch das Rauchen entstehen. Allein in Deutschland sind das fünf Milliarden Euro jährlich.

Was unternehmen Regierungen?

Wenig, findet die WHO. Nur fünf Prozent der Weltbevölkerung sind durch umfassende Rauchverbots-Gesetze geschützt, in fast der Hälfte der Länder ist es dagegen noch erlaubt, in Schulen und Krankenhäusern zu qualmen. Die Regierungen nehmen 500-mal mehr Geld aus der Tabaksteuer ein, als sie für die Bekämpfung des Rauchens ausgeben.

Wie sieht es in Deutschland aus?

Die Bundesrepublik bekommt von der Weltgesundheitsorganisation vergleichsweise gute Noten - vor allem, was die Warnung vor Gesundheitsschäden auf Zigarettenschachteln betrifft. Auch bei den Hilfen für Raucher, die ihre Sucht besiegen wollen, sieht es gut aus. Schlecht steht die Bundesrepublik beim Tabakwerbeverbot und beim Nichtraucherschutz da - allerdings sind die Daten für den Report gesammelt worden, bevor es Rauchverbote in Restaurants und Kneipen gab.

Vorschläge der WHO

Am wirkungsvollsten sei es, Rauchwaren höher zu besteuern, heißt es in dem Bericht. Das Beispiel Deutschland gibt der WHO Recht: fünfmal wurde die Tabaksteuer zwischen 2002 und 2005 erhöht – die Zahl derer, die aus finanziellen Gründen das Rauchen aufgegeben haben, hat sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums seither fast verdoppelt. Die WHO fordert außerdem Werbeverbote, Warn-Etiketten und Hilfsprogramme für potentielle Aussteiger aus der Sucht.

* nach SZ 09.02.2008

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