Erschienen in der Sonderausgabe Drogen 2008

Rausch und Sucht

Von Alex B.

Dass Rausch und Sucht als gesellschaftliches Problem definiert werden, ist nicht selbstverständlich. Es hängt stark damit zusammen, wie hoch organisiert die Gesellschaft ist und wie viele Disziplinierungen von kulturellen Forderungen ausgeübt werden. Die Störung durch den Rausch wurde erst an einem Punkt der gesellschaftlichen Entwicklung zum Problem, als die Leistungsforderungen an die Individuen wuchsen und die untüchtigen Individuen zunehmend ausgegrenzt wurden. In den archaischen Gesellschaften war die Droge immer auch ein spirituelles Element, ein Pflanzengeist, den der Stammesangehörige zu sich nahm, um über die Begrenzungen der eigenen Erlebniswelt hinaus in neue Bereiche vorzudringen. Diese Bereiche, und mit ihnen der Rausch, waren rituell geordnet; der Berauschte wusste zwar nicht genau, was ihn in der Welt des Rausches erwartete, aber er verfügte über vorformulierte Bilder, die ihm halfen, sich zurechtzufinden. Vor allem aber war er kein Konsument; es gab nicht die Droge als Ware, wer sie nahm, war damit in die natürlichen Zyklen eingebunden, musste seine Pilze selbst suchen, seine Lianen selbst zerstampfen, seine Trauben selbst keltern.

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