Erschienen in der Sonderausgabe Drogen 2008

Rauschmittel – Geschichte und Wirkung

Von Alex B. und Wolfgang Sieffert OP

Alkohol

Äthanol (Ethanol) entsteht schon in der Natur, wenn zuckerhaltige Früchte gären. Jahrhundertlang wurden Hefestämme gezüchtet, die höhere Alkoholgehalte überleben, außerdem entwickelte sich die Kunst des Destillierens z.B. von hochprozentigem Branntwein. Während sich der Alkoholkonsum im 19. Jahrhundert zunächst verringerte, trifft seit der Zeit der Industrialisierung billiger Alkohol auf verarmte Bevölkerungsschichten. Die industrielle Produktion und massive Vermarktung alkoholischer Getränke führten dazu, dass alkoholbedingte Schäden zu den Zivilisationskrankheiten gerechnet werden.
Wirkung:
Geringe Mengen von Alkohol erzeugen eine gehobene Stimmung, gesteigerte Kontaktfreudigkeit, Verlust von Hemmungen und nachlassendes Reaktionsvermögen. Im Rausch entsteht eine läppisch-heitere oder gereizt-aggressive Stimmung.
Nebenwirkung:
Psychisch: „Gefühlsduselei“, Beeinträchtigung der Gehirnfunktion und des Nervensystems, Persönlichkeitsveränderungen sowie das Nachlassen der Konzentrations- und Gedächtnisleistung. Im fortgeschrittenen Stadium entstehen Wahnvorstellungen und Delirien.
Physisch: Alkohol kann alle Organe irreversibel schädigen, da Alkohol den Körperzellen Wasser entzieht. Das Krebsrisiko ist drastisch erhöht. Außerdem wird das Nervensystem gestört, der Tastsinn vermindert, Lähmungen in den Beinen entstehen und (meist durch das Absterben von Zellen des Kleinhirns) Gangunsicherheit. Dauerhafter Missbrauch führt zur Ausbildung einer Fettleber mit anschließender nicht rückbildbarer Zirrhose (die Leber wird hart und kann den Körper nicht mehr entgiften). Die daraus folgende Vergiftung lässt weitere Hirnzellen absterben und das Blut, das schwerer durch die Leber kommt, wird umgeleitet (z.B. über die Speiseröhre). Diese Umleitungen sind empfindlich und können platzen; der Tod z.B. kann durch plötzlich auftretende Blutungen in der Speiseröhre auftreten.

Aufputschmittel

Als Stimulantia (v. lat. stimulare „anregen“) oder Psychotonika bezeichnet werden Substanzen, die anregend auf den Organismus wirken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Stimulantien als Substanzen, die die Aktivität der Nerven erhöhen oder beschleunigen.
• Kokain
Der Genuss von Cocablättern hat eine 5.000-jährige Tradition. Bei den Inkas galt der Cocastrauch als heilig und der Konsum von Coca war der privilegierten Schicht von Priestern und Adeligen vorbehalten. Später fand Coca weiteste Verbreitung in der ganzen Bevölkerung. Die Inka behandelten zahlreiche Krankheiten mit der Pflanze, von Magengeschwüren bis zur Höhenkrankheit und Impotenz. Die lokalanästhetische Wirkung wurde bei Operationen genutzt. Bis heute gilt Coca in Südamerika als Volksheilmittel, z.B. werden bei fast allen geringeren Beschwerden die Kokablätter zusammen mit Quinoa-Asche gekaut. Das heutzutage handelsübliche Kokain in kristalliner Pulverform wird durch ein verhältnismäßig einfaches chemisches Verfahren aus der Cocapaste gewonnen. Bis Mitte des 20. Jh. gab es unzählige Produkte mit Coca als Anregungsstoff, z.B. Coca-Cola.
Wirkung:
Kokain wirkt entängstigend und erhöht die Kontaktfähigkeit. Denkabläufe verlaufen schneller. Sexuelle Aktivität und Selbstwertgefühl werden gesteigert, die Stimmung gehoben. Akustische und (seltener) optische Sinnestäuschungen können auftreten. Hungergefühl wird gedämpft. Ein erhöhtes Kontakt- und Redebedürfnis wird hervorgerufen.
Nebenwirkung:
Psychisch: Nach dem „Hoch” folgt ein „Tief” mit Anspannung, Müdigkeit und missmutiger Stimmung. Bei Kokainkonsumenten kommt es zu Angstzuständen, Psychosen, Verzweiflung, Depressionen, Verfolgungswahn und Halluzinationen.
Physisch: Beobachtet werden Herzrasen, Pupillenerweiterung, Blässe, Krampfanfälle, Koordinationsstörungen, Blutdruckerhöhung, Erhöhung der Körpertemperatur, Störungen der Herzfunktion bis hin zu Herzversagen, Hirnödeme, Schlaganfälle mit halbseitigen Lähmungen. Beim Sniefen (Einziehen des Kokain-Pulvers durch die Nase) können nach längerem Gebrauch Löcher in der Nasenschleimhaut entstehen. Abmagerung und Appetitlosigkeit sind weitere Komplikationen. Die Leber wird erheblich geschädigt, Herz- sowie Hirninfarkte und Krampfanfälle sind nicht selten. Auch beim sporadischen Gebrauch sind tödliche Komplikationen nicht auszuschließen.
• Amphetamine (Speed, Pep, Ecstasy)
Die Erstsynthese des Amphetamins gelang 1887 an der Berliner Universität, den Wirkstoff des Ecstasys MDMA stellte Merck 1912 her; erst später wurde der Name Amphetamin geprägt. Amphetamine sind in der Natur nicht nachweisbar. Zu dieser Gruppe der Aufputschmittel gehört eine Vielzahl psychotroper Substanzen. Ursprünglich als Asthmamedikamente, zur Gewichtskontrolle und zum Wachhalten verwendet, werden Amphetamine heute aufgrund des Suchtpotenziales kaum noch als Medikamente eingesetzt. Speed und Ecstasy haben sich seit den 1980er Jahren als Genussmittel durchgesetzt. Wegen der illegalen Verbreitung ist der Gebrauch sehr riskant, weil die Zusammensetzung der Pillen unkontrolliert schwankt.
Wirkung:
Amphetamine (Speed, Pep) wirken aufputschend, vermindern die Ermüdbarkeit und steigern vorübergehend die Leistungsfähigkeit. Sie werden genommen, um euphorische Gefühle zu erzeugen und um gut zu funktionieren. Besonders Ecstasy wirkt stimulierend auf das zentrale Nervensystem und lässt die Körpertemperatur ansteigen. Es erzeugt ein Gefühl allgemeinen Wohlbefindens und der Ungehemmtheit, die Konsumenten fühlen sich ungewohnt wach, angeregt, gelöst, gesprächig und den anderen nah.
Nebenwirkung:
Psychisch: Der Gebrauch von Amphetaminen führt  zu Unrast und Schlaflosigkeit, die sich zu Psychosen mit Wahnvorstellungen steigern können. Ecstasy führt zu Angstzuständen und Nervosität bis zu Verwirrung und lang anhaltender Schlaflosigkeit. Der Bezug zur Realität geht verloren. Wegen der inneren Unruhe werden oft zusätzlich Schlafmittel eingenommen. Die Kritikfähigkeit wird vermindert, es treten paranoide Zustände auf. Psychosen und Depressionen sind keine Seltenheit. Hohes Abhängigkeitspotential.
Physisch: Schlaganfälle (durch die blutdrucksteigernde Wirkung) und Herzstillstand (bei Konsumenten mit Herzproblemen) sind möglich. Unregelmäßigkeiten der Menstruation bis zum Aussetzen. Magendurchbruch mit tödlichen Folgen. „Speedpickel”-Kristalle lagern sich unter der Haut ab. Bei ungeborenen Kindern kann der Konsum Missbildungen (Lippenspalte, Herz-, Wirbelsäulen-, Rückenmarkmissbildung) hervorrufen. Bei Ecstasy ist mit Eintritt der Wirkung oft Übelkeit verbunden. „Feierkrisen“ mit Depressionen über mehrer Tage sind auch bei gelegentlichem Gebrauch verbreitet. Weitere Nebenwirkungen sind trockener Mund, Krämpfe der Kiefermuskulatur, Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen. Die Partydroge zerstört die Blut-Hirn-Schranke und verschafft damit Erregern und Schadstoffen Zugang zum Gehirn.

Beruhigungsmittel (Sedativa)

Der Begriff Sedierung (seltener auch Sedation, v. lat. sedare, „beruhigen”, eigentlich „sinken lassen”) wird vor allem in der Medizin, z. B. in der Anästhesiologie oder bei Psychopharmaka verwendet. Ein Sedativum ist ein Beruhigungsmittel. Zur selben Arzneigruppe gehören auch Tranquilizer, Barbiturate, Opiate, Opioide, Narkotika und Hypnotica.
Opiate
Als Opiate bezeichnet man bestimmte Alkaloide. Viele von ihnen haben schmerzlindernde oder bewusstseinsverändernde Wirkung. Opiate lagern sich an den Opiatrezeptoren, hauptsächlich im Thalamus (Teil des Zwischenhirns), an. Opiate wirken schmerzlindernd, indem sie die Schmerzschwelle erhöhen und schmerzleitende Neuronen hemmen.
Opium - Droge der Armen
In Asien, im so genannten Goldenen Dreieck im Südosten, (Myanmar, Laos, Thailand) und im so genannten Goldenen Halbmond im Südwesten (Afghanistan, Pakistan, Iran) sowie in den lateinamerikanischen Staaten Kolumbien, Guatemala und Mexiko wird Schlafmohn in großen Mengen angebaut. Durch chemische Konzentration wird daraus Morphinbase und Heroin gewonnen.
Schon vor 6.000 Jahren wird in sumerischen Inschriften der Mohn (Papaver somniferum) als Rauschmittel erwähnt. Die unreifen Mohnkapseln werden leicht aufgeritzt, um den austretenden Saft – die „Tränen des Mohns“ – als Opium zu gewinnen. Die Assyrer nutzten Opium als Heilmittel. Paracelsus machte das schmerzstillende „Laudanum“ (Opium in Alkohollösung) ab dem 16. Jahrhundert in Mitteleuropa populär. In China erlangte die Droge jedoch die größte Bedeutung und wurde zum Narkotikum für die breite Masse. Die Beliebtheit der Droge bei Armen war auch darauf zurückzuführen, dass sie massiv den Appetit hemmt: neben der euphorisierenden Wirkung ein willkommener Nebeneffekt. Geraucht wurde Opium erst seit der Verbreitung eines anderen Suchtmittels, dem Tabak.
Morphium - das erste moderne Drogenproblem
Ein Meilenstein in der Entwicklung der Suchtmittel war eine Entdeckung eines Paderborner Apothekers im Jahre 1803. Ihm war es gelungen, das Alkaloid des Opiums zu isolieren und seine betäubende Wirkung nachzuweisen - das Morphin oder Morphium war entdeckt. Bis dahin hatte die Chirurgie über kein Narkosemittel, das mit kalkulierbarem Risiko verwendbar war, verfügt. Die Erfindung der Injektionsnadel und die vielen Kriege des 19. Jh. lösten die erste „Drogenwelle” in Europa aus. Viele Soldaten, die in den Lazaretten unter Verwendung von Morphium operiert und dauerhaft schmerzfrei gehalten wurden, kamen als Morphinisten nach Hause. Morphium blieb frei erhältlich.
Opioide (von griech. „dem Opium ähnlich“)
Opioide sind Schmerzmittel (Analgetika). Als Opioide werden alle Stoffe bezeichnet, die dem Opium ähnlich wirken (Liganden an den Opioidrezeptoren). Dazu ist keine chemische Ähnlichkeit zu Opiaten notwendig. Beispiele für ein Opioid, das kein Opiat ist, sind das in der Heroin-Substitution eingesetzte Mittel Methadon, das Schmerzmittel Tilidin oder das Antidiarrhoikum Loperamid. Vom menschlichen Körper selbst gebildete Opioide sind die als „Glückshormone“ bekannten ?-Endorphine. Das am meisten missbrauchte Opiod ist Heroin.
Heroin (von griech. Heros – der Held)
Heroin, chemisch Diacetylmorphin oder Diamorphin (DAM), ist ein halbsynthetisches, stark analgetisches Opioid mit einem sehr hohen Abhängigkeitspotential. Diacetylmorphin ist ein Syntheseprodukt aus Morphium und Essigsäureanhydrid. 1896 ließ die Bayer AG das Verfahren unter der Bezeichnung Heroin schützen. Wenig später gelang Bayer die vollsynthetische Herstellung ohne Morphium. Heroin wurde in einer massiven Werbekampagne in 12 Sprachen als oral einzunehmendes Schmerz- und Hustenmittel vermarktet. Es fand auch Anwendung bei anderen Indikationen (z.B. Bluthochdruck) und pikanter Weise als „nicht süchtigmachendes Medikament“ gegen die Entzugssymptome des Morphiums und Opiums. Als Nebenwirkungen wurden lediglich Verstopfung und leichte sexuelle Lustlosigkeit beschrieben, weshalb das Opioid von Ärzteschaft und Patienten zunächst überaus positiv aufgenommen wurde. Nach einigen Jahren wurde erkannt, dass Heroin, genau wie Morphium, zur schnellen Gewöhnung und Abhängigkeit führt.
Wirkung:
Opiate haben eine stark betäubende, beruhigende Wirkung. Sämtliche negativen Empfindungen, wie Schmerz, Leeregefühle, Sorgen, Unwillen, Angst werden schon kurz nach der Einnahme zugedeckt, hinzu kommt ein momentan spürbares Hochgefühl („Flash“). Das Selbstbewusstsein ist gesteigert.
Nebenwirkung:
Psychisch: Abkehr von der realen Welt, Persönlichkeitsabbau, Selbstzentrierung, Reizbarkeit, Aggressivität, Verlust jeglichen Interesses.
Physisch:Verminderung der Hirnleistungsfähigkeit und des Gedächtnisses, Zittern der Hände, Koordinationsschwierigkeiten halbseitige Lähmungen, Anfälligkeit für Infektionen, Muskelfaserauflösungen, Nierenverstopfungen, Entzündung des Herzinnenraumes. Akute Gefahren sind Bewusstlosigkeit (Ersticken an Erbrochenem), Atemlähmung und/oder Herzschwäche mit Todesfolge bei Überdosierung oder giftigen Beimengungen. Besondere Risiken sind Infektionen (Geschwüre, Hepatitis, AIDS) durch nicht sterile Spritzen, Leberschäden, Magen- und Darmstörungen.

Cannabis (Hanf)

Die euphorisierende Wirkung von Hanf führte dazu, dass die Pflanze in allen Teilen der Alten Welt und vielen Kulturen der Neuen Welt als milde Droge für gemeinschaftliche rituelle Anlässe Verwendung fand. Als Arzneimittel fand Cannabis erstmals 2737 v.Chr. in China Erwähnung. Vor mehr als 2500 Jahren hatte Hanf das Abendland erreicht. Medizinische Anwendung und halluzinogene Wirkung der Pflanze liefen nebeneinander her. Im 15. Jh. wurde Hanf in Indien bei den unterschiedlichsten Beschwerden verschrieben: schlechte Verdauung, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, sogar gegen Aussatz. In Europa stand der Hanf im Mittelalter nur als Heilmittel, nicht als Halluzinogen, in Ansehen. Selbst wer heftig und über lange Zeit Marihuana raucht, muss offenbar nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko rechnen (Spiegel Nr. 06/2007).
Die bekanntesten Verwendungsformen:
Marihuana: die getrockneten, weiblichen Blütenstände, möglichst unbefruchtet (ohne Samen), mit oder ohne anhängenden Blättern, werden geraucht (THC-Gehalt zwischen unter 1% und mehr als 10%, selten um 20%).
Haschisch: das gepresste Harz der Hanfpflanze wird geraucht oder zur Zubereitung THC-haltiger Getränke und Speisen verwendet (THC-Gehalt meist zwischen 1% und 10%).
Haschischöl: mit Lösungsmitteln aus der Pflanze extrahiertes relativ reines THC. Wirkungen: Die Wirkung variiert von Mensch zu Mensch, von Situation zu Situation und ist von der Grundstimmung des Konsumenten abhängig. Neben großer Gelassenheit, kann die Stimmung auch in grundlose Heiterkeit umschlagen. Es entsteht eine Neigung zur Innenschau, Sinneswahrnehmungen wie Farben und Töne können intensiver sein.
Nebenwirkung:
Psychisch: Antriebsverlust ist ebenso möglich wie Ruhelosigkeit. Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit können nachlassen. Depressionen und Verwirrungszustände sowie Sprach- und Verständigungsprobleme können ebenso auftreten wie Angstgefühle und Psychosen.
Physisch: Lungen- und Bronchialerkrankungen, Herz- und Kreislaufstörungen, Veränderungen am Immunsystem, Leberschäden, Hirnfunktionsstörungen, hormonelle Störungen u.a.m.

Dissoziativa

Dissoziativa ist der Sammelbegriff für Drogen, die dafür sorgen, dass Wahrnehmungssignale nicht im Gehirn ankommen. Ketamin und Lachgas z.B. wurden früher häufig als Narkosemittel benutzt. In Tierversuchen sind Hirnschädigungen nachgewiesen, die sich vorwiegend in Lern- und Gedächtnisschwierigkeiten äußern.

Halluzinogene

Als Halluzinogene werden Substanzen bezeichnet, die Veränderungen der visuellen, akustischen oder haptischen Sinneswahrnehmungen hervorrufen.
LSD
Bei der Suche nach einem Kreislaufmedikament wurde 1938 in der Schweiz das Alkaloid des Pilzes, der für das lebensgefährliche „Mutterkorn“ in Getreide verantwortlich ist, isoliert: Lysergsäurediäthylamid (LSD). Im Selbstversuch nahm der Chemiker Hofmann 1943 LSD ein und erlebte den ersten LSD-Trip der Geschichte: er „begegnete“ quadratmetergroßen Schmetterlingen, Häuser neigten sich bedrohlich. Später entdeckten Psychiater das therapeutische Potential z.B. bei nicht ansprechbaren Patienten; US-Universitäten erzielten erstaunliche Ergebnisse in der Psychotherapie. Umstrittene Studien stellten bei der Behandlung von Alkoholismus mit LSD eine Erfolgsrate von 50 Prozent fest, höher als die geschätzten 10 Prozent der Anonymen Alkoholiker. Hochumstritten sowohl bezüglich therapeutischer Wirkungen wie gefährlicher Folgen wurde LSD in den 1970er Jahren als nicht verkehrsfähiger Stoff eingestuft; Forschung und therapeutische Nutzung (z.B. in der Psychotherapie) sind nahezu komplett verboten. Ende der fünfziger Jahre avancierte LSD zur Modedroge, da es sich in primitiven Heimlabors herstellen lässt. Hippies auf Sinnsuche und Drogengurus wie Timothy Leary warfen unkontrolliert und meist überdosiert LSD-Trips (im Slang: „Acid“) mit teilweise verhängnisvollen Langzeitfolgen für ihren Geisteszustand. In den 1980ern gewann LSD als Partydroge der Technoszene noch einmal Bedeutung; heute ist es im Vergleich zu anderen Drogen praktisch bedeutungslos.
Wirkung:
LSD verändert die individuelle Wahrnehmungen, so dass sie Konsumenten als intensives Erleben erscheinen. Das Zeitempfinden wird verändert, Reize aus der Umgebung treten deutlicher hervor; es kommt zu optischen, sensorischen und akustischen Halluzinationen.
Nebenwirkung:
Psychisch: Depressionen und Verwirrungszustände sowie Sprach- und Verständigungsprobleme können ebenso auftreten wie Angstgefühle und Psychosen. Auch lange nach der Einnahme von LSD auftretende psychische Veränderungen, sogenannte Flashbacks, kommen vor.
Physisch: Bei psychischer Überforderung können Kreislaufstörungen entstehen.

Nikotin

Die Tabakpflanze stammt aus Süd- und Mittelamerika. Tabakrauchen wurde im 17. Jahrhundert in zahlreichen Staaten mit härtesten Sanktionen bekämpft und teilweise mit dem Tode bestraft. In Amerika wurde 1881 die erste Zigarettenmaschine patentiert, die 200 Zigaretten pro Minute herstellte. Der 1. Weltkrieg etablierte die schnelle Zigarette als europäische Alltagsdroge. Die gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens wurden in den 50er Jahren erstmals in groß angelegten Studien wissenschaftlich dokumentiert. Nikotin, benannt nach Jean Nicot, ist ein Alkaloid, das in der Tabakpflanze und in geringerer Konzentration auch in anderen Nachtschattengewächsen vorkommt, besonders hoch ist die Konzentration in den Blättern des Tabaks. Nikotin ist ein starkes Nervengift. Nikotin ist sehr giftig für höhere Tiere, da es die Ganglien des vegetativen Nervensystems blockiert; konzentriert wurde es früher als Pestizid z.B. gegen Blattläuse eingesetzt. Die tödliche Dosis für einen erwachsenen Menschen liegt bei ca. einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht; Nikotin ist giftiger als Arsen oder Zyankali.
Wirkung:
Nikotin führt in kleinen Dosen zu einer Anregung der Hirntätigkeit und kann vorübergehend Müdigkeit, Unlust- und Hungergefühle beseitigen. In monotonen Situationen verhindert das Tabakrauchen ein Absinken der Leistung.
Nebenwirkung:
Psychisch: Nikotin vermindert die allgemeine seelische und körperliche Leistungsfähigkeit und erhöht die Stressanfälligkeit.
Physisch: Nikotin fördert die Verengung und Verkalkung der Blutgefäße und führt so zu Durchblutungsstörungen besonders der Herzkranzgefäße und der äußeren Gliedmaßen. Es lähmt den Selbstreinigungsmechanismus der Luftwege mit der Folge chronischer Bronchitis und Lungenemphysemen. Nikotin und die beim Rauchen eingeatmeten Kondensate erhöhen das Krebsrisiko; spezifisch sind Lungen-, Bronchial-, Kehlkopf- und Mundhöhlenkrebs.

Oneirogene

Oneirismus (von griechisch: oneiros, der Traum) ist ein traumähnliches Erlebnis mit gleichzeitiger Benommenheit. Während dieses Zustands können auch innere Bilder als sehr real empfunden werden, so dass Traum- und Realwelt nicht getrennt werden können. Oneirismus kann bei allen Psychosen vorkommen, z.B. bei Schizophrenie. Pflanzliche Oneirogene (z.B. Harmalin im Samen der Steppenraute) werden in der Medizin etwa zur Behandlung der Parkinsonschen Krankheit eingesetzt. Sie wirken erst in höheren Dosen halluzinogen, lösen dann aber Störungen der Gleichgewichtsregulation und der Bewegungskoordination aus. Steppenrautesamen werden oft genutzt, um die Wirkung anderer Halluzinogene zu intensivieren, das Zusammenwirken z.B. mit Alkohol ist zuvor nicht abschätzbar; unter Einfluss von Harmalin können so alltägliche Dinge wie Käse, Wein, Koffein oder Bananen zu tödlichen Vergiftungen führen.

Schnüffelstoffe

Schnüffelstoffe ist der Sammelbegriff für legal erhältliche Substanzen, die beim Inhalieren eine Wahrnehmung und Gefühl gravierend verändernde Wirkung entfalten können und deshalb z.B. von Jugendlichen als Ersatz für illegale Drogen konsumiert werden. Insbesondere werden haushaltsübliche Stoffe, die Lösungsmittel (halogenierte Kohlenwasserstoffe) enthalten und eine ähnliche Rauschwirkung wie illegale Drogen entfalten können, als Schnüffelstoffe bezeichnet. Das können Aerosole, Klebstoffe, Verdünnungen oder ähnliches sein, auch Lachgas und Poppers. Ebenso können Dämpfe anderer leichtflüchtiger Stoffe wie Benzin, Alkohol und Spiritus geschnüffelt werden. Die Wirkung setzt in der Regel sehr schnell ein und dauert je nach Wirkstoff wenige Minuten bis zu mehreren Stunden an. Das Risiko ist sehr hoch,sodass schon bei gelegentlichem Schnüffeln Langzeitschäden entstehen: vor allem Schädigungen von Nerven und Gehirn, Leber, Lunge, Hör- und Gleichgewichtssinn und Durchblutung.

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