Erschienen in der Sonderausgabe Drogen 2008

Konsumräume und Polizeigewerkschaft

In vielen Städten gibt es inzwischen Konsumräume für Heroinkonsumenten: ein typisches Produkt der schizoid anmutenden Lage. Handeln und kaufen darf den Stoff keineR. Aber wer Heroin illegal besorgt, kann sich den Stoff unter hygienisch einwandfreien Bedingungen im Konsumraum spritzen. Wer ihn nutzt, muss unterschreiben, dass er dort nicht dealt und nicht im Metha-Programm ist. Vorteile liegen neben sauberen Spritzen u.a. darin, dass hier bei Bedarf unkompliziert Kontakt mit Beratungskräften aufgenommen werden kann. Wegen unkalkulierbarer Qualität und Beimischung des Straßenheroins kann es Leben retten, dass hier ständig eine geschulte Kraft anwesend ist, die im Fall der Fälle bis zum Eintreffen des Notarztes Hilfe leistet und z.B. Maßnahmen zur Wiederbelebung beherrscht. Das illegale Zeug darf in dieser Grauzone konsumiert werden. Bedauernswert, dass nicht auch sauberer Stoff zur Verfügung gestellt wird, der vor Überdosierung und beigemischten Giftstoffen schützt. Apropos Schutz: dadurch würden auch die Opfer der Kleinkriminalität geschützt. Es gäbe noch mehr Vorteile, wenn Staat und Ärzte die „Dealer“ wären. Die Situation mutet schizoid an, paradox ist sie allemal.
2002 traute sich die Polizeigewerkschaft noch zu fordern, Marihuana und Haschisch sollten in Apotheken in kleinen Mengen erwerbbar sein. Durch den erneut gepuschten Gefährlichkeitswahn traut sich so etwas kaum noch jemand. Vernünftig bliebe es dennoch, Millionen Konsumenten aus der Illegalität zu holen. Aber wär' doch schade um die Profite der Dealer, oder?

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