Erschienen in der Sonderausgabe Drogen 2008

Was will die AoA sein und leisten?

Eine Selbstauskunft aus Konzept und Hausordnung *

Eröffnet wurde sie im September 2003. In die AoA werden Inhaftierte aufgenommen, die abhängig von illegalen Drogen oder Politoxikomane sind und stationäre Therapie anstreben. Für sie soll einerseits eine über eine Einzelberatung hinausgehende Therapievorbereitung erfolgen, andererseits sollen die beschränkt vorhandenen Ressourcen der JVA sichtbar konzentriert werden.

Ziele und Voraussetzungen
Deutlich ausgesprochenes Ziel istdie Reduktion des Drogenkonsums. Wenn die Inhaftierten von der AoA aus zum Therapieantritt entlassen werden, sollen sie abstinent sein. Dafür setzt die AoA voraus, dass die Gefangenen an der Therapievorbereitung mitarbeiten, Regeln einhalten und aktiv an Gemeinschaftsleben und Gruppengesprächen teilnehmen. Die Aufenthaltsdauer beträgt i.d.Regel drei bis neun Monate und kann kürzer sein, wenn vorher bereits Therapievorbereitungen begonnen wurden. Sie kann überschritten werden, wenn der Vermittlungsprozess noch nicht abgeschlossen ist.

Aufnahmevoraussetzungen
Für eine Aufnahme auf AoA ist Voraussetzung, dass die Haftstrafe nach § 35 BtMG (Therapie statt Strafe) zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Konkret heißt das z.B. bei ausschließlich einem Verfahren darf die Restvollzugsdauer bei Therapieantritt nicht über 2 Jahren liegen.
„Auf der AoA gibt es keine Gleichberechtigung! Erstinhaftierte werden bevorzugt behandelt gegenüber Leuten, die schon mehrfach einsitzen.“ (Ein AoA-Inhaftierter)
Bei ausländischen Gefangenen darf keine vollziehbare Ausweisungsverfügung vorliegen und sie müssen Aufenthaltsberechtigung oder eine befristete Aufenthaltserlaubnis haben. Außerdem muss die Kostenübernahme für Therapie über die Renten- oder Krankenversicherung gesichert sein.
Anstaltsintern muss für die Aufnahme Gruppen- und Arbeitsgenehmigung erteilt sein. Wenn eine Unterbringung nach § 64 StGB angeordnet ist, muss im Einzelfall entschieden werden.
„Für 95% ist die AoA Vorbereitung für eine legale Flucht. Vielleicht 5% nehmen hier die Therapiechancen ernst.“ (Ein AoA-Inhaftierter)
Darüberhinaus beschreibt das Konzept der AoA Kriterien für die Aufnahme wie Freiwilligkeit, Bereitschaft zur Mitarbeit und suchtmittelfreiem Leben. Die in der AoA bestehenden Regeln müssen anerkannt werden und mit der Aufnahme muss ein Kooperationsvertrag und eine Schweigepflichtentbindung unterschrieben werden.
Auf jeden Fall muss ein Therapieantritt absehbar sein, also neben der Therapiewilligkeit auch juristisch (Straflänge, offene Verfahren) und versicherungstechnisch (Kostenzusage) alles klar sein.

Wer nicht reinkommt
Nicht aufgenommen werden Gefangene, die intellektuell erheblich beeinträchtigt oder der deutschen Sprache nicht hinreichend mächtig sind; außerdem, wenn gravierende psychiatrische Krankheitsbilder vorliegen oder sie nicht gemeinschaftsfähig sind (Verhaltensauffälligkeiten). Auch Sicherungsmaßnahmen können einer Aufnahme entgegenstehen.

Die Gestalt der AoA
Die AoA soll als offene Wohngruppe gestaltet sein. Der Tagesablauf ist weitgehend strukturiert. Die ersten 6 Wochen des Aufenthalts dienen der Eingewöhnung. Die Bewohner sollen in die Verantwortung für die AoA eingebunden werden und gemeinschaftliche Aufgaben (Posten) übernehmen. Sie können an den Angeboten der Gesamtanstalt (Arbeit, Freizeit, Sport) teilnehmen.
Das Zusammenleben auf der AoA regelt eine Hausordnung. Die Bewohner haben die Möglichkeit, über einen Gruppensprecher und die Großgruppe Veränderungsvorschläge einzubringen.

„Beim Hofgang erzählt einer stolz, er habe ein Bubble geschenkt bekommen und sich „H“ rein gepfiffen. Sag ich: „Du hast doch draußen gar nichts genommen, oder?“ „Nee, aber `nem geschenkten Gaul schau ich nicht ins Maul. Is´ doch sonst nix los hier." Das hat er noch ein, zwei Mal erzählt, dass er was geschenkt bekommen hat. Wochen später hat er dann seine Armbanduhr und seinen Einkauf für Schore vertickt. Da war er drauf.“ (Inhaftierter in Langstrafenanstalt)

Verpflichtende Angebote
Therapievorbereitungsgruppe: es gibt vier Gruppen, in denen der Schwerpunkt in der Vorbereitung auf Gruppenprozesse liegt. Außerdem soll die Motivation geklärt, gefördert und stabilisiert werden.
Großgruppe, die monatlich und darüber hinaus anlassbezogen von Bereichs- bzw. Abteilungsdienst geleitet stattfindet. Einzelgespräche mit dem zuständigen Suchtberater.
Sport mit dem Ziel, Körperbewusstsein zu entwickeln und Zutrauen in die körperliche Leistungsfähigkeit.
Informationsveranstaltungen zu Themen rund um Abhängigkeit; z.B. Vorstellungen von Therapieeinrichtungen, Vorträge von Ärzten und Beratungsstellen, Filme. Freizeit. Ein Kennzeichen von Abhängigkeit ist die Vernachlässigung von außerhalb der Sucht liegenden Interessen. Freizeitangebote sollen Interessen aktivieren und entwickeln.

Wichtig: Ordnung
Regeln sind in der AoA zentrales Behandlungsinstrument, da Sucht als solche als regellos betrachtet wird: der Lebensalltag Abhängiger (von illegalen Rauschmitteln) sei bestimmt durch die Beschaffung finanzieller Mittel für Drogen, deren Erwerb und Konsum. Wird Abhängigen „die Sucht genommen“, so entsteht innere Leere, die durch einen äußeren Rahmen, ein Regelwerk, ersetzt werden muss. Regeln dienen der Alltagsstrukturierung, sollen Halt und Orientierung geben.

Kontrollen
Von den Bewohnern wird erwartet, dass sie Drogenabstinenz durch Urinkontrollen (UKs) nachweisen; bei Verdachtsmomenten erfolgt eine UK unmittelbar, ansonsten ist die erste spätestens nach 6 Wochen.
(Zur UK) „Voll der Nasenfaktor hier: die einen pissen regelmäßig ab, die Lieblinge nur alle sieben Jahre an Pfingsten.“ (Ein AoA-Inhaftierter)

Wer fliegt
Bei massiveren Verstößen gegen die Regeln werden Inhaftierte von der Leitung aus der AoA verwiesen. Eine Wiederaufnahme ist frühestens nach vier Wochen möglich, sofern der Betreffende mit dem Wiederaufnahmeantrag die vorgängigen Ereignisse schriftlich oder im Gespräch kritisch reflektiert.

* Zusammengefasst [ab/ws]

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