Erschienen in der Sonderausgabe Drogen 2008

Ohne Vorbereitung ist die Therapie schwierig

Interview mit einem Insassen der AoA

Du bist seit drei Monaten hier: macht die AoA-Abteilung Sinn für Dich?
Ja klar, es ist eine gute Vorbereitung für die Therapie. Es ist sinnvoll, vor Beginn der Therapie Gruppengespräche und so zu machen. Ich kam schon einmal aus dem Knast in Therapie, da kam ich von einer Einzelzelle und da war die Umstellung ohne Vorbereitung schon sehr schwierig.

Ist es für Dich anstrengend?
Ja, es ist schwierig, zur Ruhe zu kommen und sich einfach mal zurück zu ziehen, da alle Hütten Dreimannzellen sind.

Kann jemand rausfliegen?
Ja, es gibt ein Punktesystem, ab drei fliegt man raus. Ein Punkt wird jedoch nach vier Wochen wieder gelöscht. Punkte gibt es zum Beispiel für Rauchen auf dem Gang, unerlaubtes Entfernen oder Unsauberkeit. Falls jemand positiv auf THC getestet wird, wird er vier Wochen verwiesen, bei Opiaten sind es acht Wochen.

Was ist gut am Tagesablauf?
Frühsport, die Möglichkeit Tischtennis oder Billard zu spielen und dass es eine Waschmaschine gibt. Auch ist es gut, eine Gemeinschaftsküche zur Verfügung zu haben.

Was ist Deiner Meinung nach schlecht?
Normal ist man vier bis sechs Monate in dieser Abteilung, das soll die Regel sein und so lang wär’s glaub` ich auch ok. Nach 12 Monaten wird es schon immer anstrengender ohne Rückzugsmöglichkeit. Für längere Aufenthalte wären wirklich Einzelzellen nötig.

„Wenn Opiatabhängige und Chemiesüchtige auf einer Hütte sind, das passt nicht.“ (Ein AoA-Inhaftierter)

Ist es auf der AoA angenehmer?
Grundsätzlich ja. Es ist angenehmer als auf einer normalen Abteilung im Haus, aber es ist eben auch anstrengender.

Wie viele fliegen raus?
Ca. 20% der Leute.

„Es gibt immer wieder mal Ungleichbehandlung. Früher wurden Leute für Strafpunkte verbannt, dann konnten auf einmal welche die Strafpunkte abarbeiten. Da fragt man sich, nach welchen Gesichtspunkten gehandelt wird! Nach einem Aufstand wurde das Abarbeiten abgeschafft, wir kommen der Gleichberechtigung wieder näher.“ (Ein AoA-Inhaftierter)

Wie oft gibt es Gruppengespräche?
Ein Mal pro Woche ist Gruppe mit ca. neun Leuten und ein Mal im Monat findet eine Großgruppe mit Allen statt. Die Großgruppe dient vor allem zur Problemlösung allgemeiner Schwierigkeiten.
Neu ist, dass in der Großgruppe jetzt Posten vergeben werden wie Blumenwart, Infowart, Sportwart. In regelmäßigen Abständen finden zudem noch Infoveranstaltungen für verschiedene Therapieeinrichtungen statt. Diese Infoveranstaltungen werden von den jeweils zuständigen Sozialarbeitern und Therapeuten geleitet.

Welche Gruppen gibt es sonst noch?
Die Kunstgruppe sowie einen unregelmäßigen Kochkurs, der von einer Ernährungsberaterin gegeben wird.

Wie viele Leute sind in der AoA und wie viele davon haben Arbeit?
Es sind 32 Mann im Schnitt und über die Hälfte arbeitet auch.

Ulmer Echo dankt für Deine Mitarbeit!

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