Erschienen in der Sonderausgabe Drogen 2008

Andere Länder, andere Sitten

Interview mit einem wegen Drogenschmuggel inhaftierten Kanadier

Bist Du wegen Drogen vorbestraft?
Ja, ich wurde in in Texas für 20 kg Mariuhana und in Kanada für 5 Kilo Kokain verhaftet.

Wie hoch waren die Strafen?
Für das Gras ein Jahr Bewährung, ohne Deal und Aussage; sozusagen ein Standardurteil. In Kanada bekam ich für das Koks zweieinhalb Jahre.

Wie ist ein Gefängnis in Kanada?
Bei uns gibt es verschiedene Kategorien. Nur in einem „Maximum“ wird man in eine Zelle bis zu 23 Stunden eingesperrt und bekommt das Essen dorthin gebracht. Selbst Gewalttäter kommen meist in eine Mediumhouse (mittlere Sicherheitsstufe).

Wie lange dauert in Kanada im Schnitt die U-Haft?
Zwischen einer und sechs Wochen, meistens um zwei Wochen. Jeder U-Hafttag wird mit zwei bis drei Tagen Haft vergütet. In einem U-Gefängnis wird Gefängniskleidung getragen. Tagsüber können sich alle in einem Gemeinschaftsraum aufhalten. Telefonieren geht den ganzen Tag.

Gibt es in Kanada Drogen im Knast? Und werden die entdeckt?
Bei uns gibt es kaum harte Drogen im Knast, aber manchmal Gras. Wer mit einer kleinen Menge erwischt wird, bekommt eine Verwarnung; wird jedoch mehr gefunden, so ab 50 Gramm, dann kommt man in ein strengeres Gefängnis, zum Beispiel von Minimum nach Medium.

Dürfen Zigaretten geraucht werden?
Nein, in Kanada wird Tabak als die Einstiegsdroge schlechthin betrachtet.

Wie werden Junkies behandelt?
Mit Junkies wird in Kanada sehr hart umgegangen. Nach der Strafe müssen sie 2 bis 6 Jahre Therapie machen, entweder ambulant oder stationär. In Kanada wird Substitution nicht akzeptiert; Junkies kommen im Knast grundsätzlich erstmal für ca. eine Woche in Ausnüchterungszellen.

Warum bist Du hier eingesperrt?
Wegen Drogenschmuggel, 23 Kilo Marihuana.

Welche Strafe hast du bekommen?
Fünfeinhalb Jahre, für elf mal 23 Kilos, weil jemand aussagte ich hätte elf Touren gemacht.

Wie lange warst Du in U-Haft?
Ein Jahr und neun Monate inklusive Revisionsablehnung.

Wie empfindest Du das Gefängnis?
Ich fühle mich als zweitklassiger Mensch behandelt und wie in einem Hochsicherheitsgefängnis. Ich finde es unmöglich, für eine Nichtgewalttat wie der schlimmste Gewaltverbrecher behandelt zu werden. Zudem wird mir keine Möglichkeit von Bildung gegeben. Ich darf nicht mal Kochen und bin extrem entmündigt. Für mich sind diese Gefängnisse hier gemacht um das Leben eines Menschen und familiäre Beziehungen zu zerstören. Das Gefängnis hier ist für mich wie in einem Drittweltland, nur dass sie Dich nicht körperlich quälen sondern psychisch. Ich darf hier zwei mal im Monat für fünf Minuten mit meinem Sohn telefonieren, wenn ich Glück habe.

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