Erschienen in der Sonderausgabe Drogen 2008

Zwischen Kontrolle und Hilfsangeboten

Interviews mit Bediensteten der JVA Düsseldorf

Was sind Ihrer Erfahrung nach in unserer JVA die wichtigsten Probleme in Bezug auf illegale Drogen?
Die harten Drogen wie Heroin.

Gibt es auch Probleme mit legalen Drogen?
Leider ja, mit Methadon zum Beispiel.

Welche Zielrichtung hat Ihre Arbeit mit Konsumenten illegaler Drogen?
In erster Linie sind wir dafür da, illegale Drogen zu finden. Die tägliche Arbeit mit den Konsumenten obliegt den Drogenberatern und Suchtkrankenhelfern, die dafür extra geschult worden sind.

Wie kommen illegale Drogen in die Ulmer Höh'?
Es ist sicher verständlich, wenn wir hierzu aus Sicherheitsgründen keine Angaben machen möchten.

Wie geht die JVA dagegen vor?
Verstärkte Kontrollen und Strafanzeigen.

Was passiert, wenn Besucher illegale Drogen bei sich haben?
Der Besucher wird erst mal der Anstalt verwiesen. Er muss dann mit einer Anzeige sowie zeitlich begrenztem Besuchsverbot oder Trennscheibenbesuch rechnen.

Werden Inhaftierte auf Konsum illegaler Drogen kontrolliert?
Ja, wir führen Urinkontrollen durch. Außerdem werden Sonderkontrollen durchgeführt, sprich Durchsuchungen mit und ohne körperlicher Entkleidung.

Welche Konsequenzen hat es für Inhaftierte, wenn Ihnen Gebrauch illegaler Drogen nachgewiesen wird?
Wenn ein Gefangener arbeitet, bedeutet Drogenkonsum auf jeden Fall den Verlust der Arbeit. Eventuell folgen weitere Konsequenzen, z.B. Umschlusssperre oder Einkaufssperre.

Kostet der Kampf gegen illegale Drogen viel Ihrer Zeit?
Ja, ca. ein Drittel unserer Arbeitszeit.

Welche Hilfen für Drogenbenutzer gibt es hier?
Sie können die Hilfe der ansässigen Drogenberater der JVA und der externen Gruppen wie komm-pass nutzen.

Welchen Problemen oder Grenzen mit Drogen und Drogenbenutzern begegnen Sie in Ihrer Arbeit?
Aus medizinischer Sicht ergibt sich ein Problem, weil wir als Vollzugsbeamte Gefangenen nicht in Körperöffnungen greifen dürfen.

Welche Hilfestellungen fehlen in unserer JVA?
Unserer Meinung nach keine. Die Drogenberater der JVA und auch die externen Kräfte wie Kompass und die AOA-Abteilung stehen mit Rat und Tat zur Seite, arbeiten mit den Gefangenen und vermitteln diese in Therapieeinrichtungen.

Werden Drogenabhängige Ihrer Erfahrung nach oft erneut straffällig?
Ja, sehr oft sogar. Leider kehren viele Gefangene wieder an ihrer alte Lebens- und Wirkungsstätte zurück, verfallen dort den Drogen sofort wieder und werden erneut straffällig (Beschaffungskriminalität oder neue Delikte).

Würden Drogenabhängige außerhalb und ohne die vielen Beschränkungen der JVA erfolgreicher lernen können, mit ihrer Sucht umzugehen?
Wir denken nicht. In erster Linie hängt es immer von der Einsicht des Gefangenen ab, ob er sich helfen lassen will und wie ernst er es selber damit meint. Die JVA ist als Unterstützer dabei anzusehen.

Was schätzen Sie für unsere JVA insgesamt: wie viele Inhaftierte sind Konsumenten harter Drogen einschließlich derer, die vielleicht momentan nicht an Stoff kommen?
Da können wir keine Angaben drüber machen, weil die Dunkelziffer nicht bekannt ist.

Gibt es Ihrer Meinung nach Inhaftierte, die in der JVA erstmals harte Drogen konsumieren?
Ja

Ulmer Echo dankt für Ihre Mitarbeit!

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