Europarat: 
jederzeitigen Zugang zum Arzt sicherstellen!
 
Wer viele „Patienten” betreut, macht viele Fehler, wer weniger betreut, macht weniger Fehler. Das mag ein Grund dafür sein, dass es in kleineren Anstalten um die Effizienz der medizinischen Versorgung besser bestellt ist. Dennoch fragt sich der informierte Leser so manches mal, wie es denn mit dem „Eid des Hippokrates” wohl bestellt ist. Wenn der Interessierte sodann einige Fallbeispiele näher betrachten kann, stehen ihm die Haare zu Berge! 

An einem Freitag hatte ein Häftling erhebliche Zahnschmerzen. Er bekam Schmerzmittel und einen Vormelder für den Zahnarzt - für Montag. Das Wochenende verbringt er ohne Schlaf und Nahrung. Der Zahnarzt kommt nicht. Am Mittwoch bittet er um einen 2. Anruf beim Zahnarzt. Nichts geschieht. Am nächsten Tag teilt man dem Patienten nur mit, dass die Sanis schon weg sind. Erst eine Eingabe beim Vorsitzenden des Gefängnisbeirats bringen den Mann nach 6 Tagen mit Schmerzen zum Arzt!! 

Ein weiteres Fallbeispiel: Ein Häftling hat starke Herzschmerzen. Er geht zum Arzt und sagt:„Ich krieg 'nen Herzinfarkt.” „So schnell bekommt man den nicht.”, sagt der Arzt. Medikamente werden verabreicht. Zurück in der Zelle, werden die Schmerzen unerträglich. Am nächsten Tag wird versprochen, den Arzt zu holen, obwohl die Sanis immer noch der Meinung sind, dass der „Kunde” simuliert. Der Arzt kommt, und sagt nach dem EKG: „Um Gottes Willen, sofort ins Krankenhaus!” Nach lebensrettender Versorgung kommt die Feuerwehr mit Notarzt, zwecks Abtransport. Ein Streit darüber entbrennt, wer den Häftling begleiten kann und will. Den Feuerwehrleuten war das Debattieren angesichts des Sterbenden unerträglich, sie „flüchteten” mit ihm ins nächste Krankenhaus. Dank dieses beherzten Entschlusses hat der Häftling den bis dahin unbehandelten Herzinfarkt überlebt! 

Dies sind zwei Tatsachenberichte aus der JVA Berlin Tegel, der größten Anstalt in Deutschland. Sicher, Einzelfälle werfen immer ein besonderes Licht auf eine Problematik, aber keiner kann sich davon freisprechen, Angst zu haben, dass es ihm nicht in einer Notsituation genauso geht. 

Der Appell an die Verantwortlichen: Geht bitte davon aus, dass der Häftling nicht simuliert und behandelt ihn so, wie es geboten erscheint. Wenn es Zweifel geben sollte, ist ein Anruf zu unserem Arzt sicher zu entschuldigen. Wenn  Unklarheiten beseitigt sind und Sicherheit manifestiert ist, so ist Allen geholfen. Der hiesige Arzt hat dafür Verständnis und ist deshalb auch für Notfälle immer erreichbar! 
(Quelle: Der Lichtblick, Berlin)

 
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