Fröndenberg:  
nicht schlechter  
als ein anderes Krankenhaus 
  
Von Goliath O. 

Irgendwann passiert es dann doch, du wirst krank, und das im Knast. Der Arzt meint, es wäre besser, wenn die Geschichte, zunächst ambulant, im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg angesehen wird.

Über alles Weitere werde dort entschieden. Also ist Mittwoch um 5:30 Uhr Wecken, um 6:00 Uhr fährt der Bus. Wenn alles gut geht, bist du ca. 2 ½ Stunden später in Fröndenberg. Dort wirst du an einigen Behandlungszimmern vorbei geleitet. Alles sieht wie ein normales Krankenhaus aus. Bis du in den Warteraum gebracht wirst: ein knasttypischer großer Raum, schmutzig, mit ein paar Sitzgelegenheiten und einer separaten Toilette - die allerdings sogar mit fließend warmem Wasser!  

Nur ist der Raum brechend voll. Ungefähr 30, manchmal auch 50, mehr oder minder schwer kranke Knackis aus ganz NRW tummeln sich hier. Alle paar Minuten öffnet sich die Tür, ein Beamter ruft ein paar Namen auf und verschwindet mit den Genannten zum Röntgen, EKG, Ultraschall, ins Behandlungszimmer oder sonst wohin. Ständig kommen neue an, andere fahren wieder ab, wenn die Mannschaft einer JVA fertig ist.  

Endlich kommst du dran. Behandlungszimmer 2. (Es gibt  fünf davon.) Hier wirst du von einem Arzt und einer Schwester empfangen. Der Arzt hat zwar die Krankenakte, hört sich aber die Krankengeschichte geflissentlich an und begutachtet die Symptome. Eventuell schickt er dich noch zu einer Untersuchung wie Röntgen o.ä., wohin dich ein Beamter bringt. Liegen schließlich alle Ergebnisse vor, geht es wieder ins Behandlungszimmer und der Arzt stellt seine Diagnose. In schwierigen Fällen unter Zuhilfenahme eines Ober- oder sogar Chefarztes. Diese legen dann auch fest, ob du stationär oder ambulant weiterbehandelt wird. Wirst du stationär eingewiesen, und die Umstände sind nicht lebensbedrohlich, hast du die Wahl, ob du direkt bleiben oder zu einem späteren Zeitpunkt wiederkommen möchtest. Dauert die Behandlung länger als zwei bis drei Tage, so ist es ratsam, noch einmal wiederzukommen. Denn dann kannst du deine Sachen, z.B. TV-Gerät, mitnehmen.  

Stationärer Aufenthalt 
Bevor du in das Krankenzimmer kommst, gehst du über die Kammer. Zusätzlich bekommen dort alle einen Bademantel. Von der Kammer holt dich eine Schwester oder ein Pfleger ab und bringt dich auf die Station in dein Krankenzimmer. Ab diesem Zeitpunkt siehst du nur noch selten Beamte, denn hier haben Ärzte, Schwestern und Pfleger das Sagen. Die Krankenzimmer sind vergleichbar mit denen in einem öffentlichen Krankenhaus. Die Zimmer, überwiegend 2- und wenige 4-Bettzimmer, sind geräumig mit großen Krankenhausbetten, weißen Laken und Bezügen sowie Federkopfkissen. Außer einem separaten Waschraum gibt es noch eine abgetrennte Toilette. Aus dem Wasserhahn kommt warmes und kaltes Wasser. Je nach Station ist von 13:00 Uhr bis 14:00 Uhr oder von 14:15 bis 15:15 Uhr Freistunde auf einem gartenähnlichen Freistundenhof, neben dem ironischerweise direkt ein Helikopterlandeplatz liegt. Von 15:30 bis 19:30 Uhr ist auf der Station Aufschluss. Bis 21:00 Uhr können die Patienten anschließend noch in einen Fernsehraum gehen. Das Essen ist leidlich in Ordnung. Jeder kann zwischen Milch- und Obstzulage wählen. Die Milchzulage bedeutet jeden Tag einen halben Liter Vollmilch und einen Joghurt. Für die Körperhygiene kannst du jeden Tag duschen oder ein Vollbad nehmen.   

Sofern du Geld auf dem Konto des JVKs hast (Antrag an die dortige Zahlstelle stellen: es dauert dann ca. eine knappe Woche, bis dein Geld von der Stammanstalt ankommt), kannst du jede Woche einmal einkaufen: Untersuchungsgefangene vom Eigengeld, Strafgefangene vom Hausgeld. Der Kaufmann ist  günstiger als in Düsseldorf.   

Die komplette medizinische Behandlung läuft vormittags ab. Wenn du „Glück“ hast, hat der Arzt eine Bewegungstherapie verordnet, und du kannst vormittags eine halbe Stunde im hauseigenen Schwimmbad genießen. Die Schwestern und Pfleger sind kompetent und in der Regel freundlich, aber bestimmt. Jeden Tag kommt der behandelnde Stationsarzt vorbei und begutachtet den Fortschritt der Genesung. Schwerwiegendere Entscheidungen werden von einem Oberarzt getroffen, der wiederum bei der wöchentlichen Chefarztvisite diesem Rede und Antwort stehen muss. Für die Bereiche Chirurgie, Innere und Orthopädie stehen dem Krankenhaus eigene Ärzte zur Verfügung. Alle anderen Facharztbereiche werden von externen Ärzten betreut.  

Alles in allem ist die medizinische Betreuung im JVK nicht besser oder schlechter als in jedem anderem Krankenhaus „draußen”, in dem du als Kassenpatient behandelt wirst.

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