betrifft: Neues aus Hagen

Hallo, meine lieben Kollegen!
Nun bin ich schon eine Woche hier - seit ich euch habe verlassen müssen. Es läuft hier letztlich alles so ähnlich, wie auf der Ulm, wenn man keinen Job hat. Als Highlight habe ich erst mal eine 4 er Gemeinschaft besuchen dürfen, nach 1 Woche gab es glücklicherweise eine Einzelzelle. Frühstück gibt es um 6.00 Uhr, da aber keine Geräusche zu hören sind, bin ich ohne Wecker aufgeschmissen. Aus meiner Sicht ist das Essen allerdings besser als in Düsseldorf - Bericht folgt. Für die Einweisungsprobanten ist die Freistunde von 7.00 Uhr bis 8.00 Uhr, die sollte sich aber jeder schenken. Der Hof ist deprimierend und nur wenn ich nach oben schaue, kann ich ein Stück Himmel sehen. Die Beamten sind korrekt und freundlich. Nach dem ersten schriftlichen Check, hörte ich von einer durchschnittlichen Verweildauer von 10 Wochen - ich hoffe, dass ich das baldigst abkürzen kann. Sportmöglichkeiten sind da, zweimal Duschen mit Wäschetausch ist Standard. Durch die kleinen Innenhöfe leider sehr viel Geschrei bis tief in die Nacht (Buru-buru), also gute Nerven mitbringen. Fernseher mit Verstärkerantenne(!), Radio, ein Dreierstecker, Wecker und Verlängerungskabel sind ratsam, Lesestoff und viel Proviant! Keine Privatkleidung, ein Jogginganzug und 1 Paar Turnschuhe mit weißer Sohle(!), Rest Anstaltskleidung. Soweit aus der Einweisung mit aktuellen Informationen. Bis bald!
(Name der Redaktion bekannt)
 
betrifft: Großer Besucherraum

Sehr verehrte Redaktion Ulmer Echo,
erst ein mal „Hut ab” für Ihr Magazin. Sehr deutlich, sehr offen und hervorragendes Layout. Ich lese es seit fast 2 Jahren. Viele Artikel betreffen mich persönlich und ich hatte schon mehrmals das Bedürfnis, Ihnen etwas zu schreiben. Da ich aber nicht schnell geneigt bin, zu klagen, habe ich es bisher aufgeschoben; jetzt muss es aber mal sein. 
Ich komme jetzt schon mehrere Monate her, um meinen Verlobten zu besuchen. Noch nie hatte ich Probleme mit den Beamten, ich werde immer sehr freundlich und korrekt behandelt. Auch mit anderen Besuchern hatte ich nie Schwierigkeiten, zumal ich mich auch nicht auf diese Kurzgespräche einlasse, bei denen es sowieso nur darum geht, wie lange und warum der Besuchte sitzt. Die bisherigen Besuche fanden in den „Kabinen” statt, problemlos. Seit dem letzten Mal aber, findet der Besuch im Gemeinschaftsraum, dem „blauen Salon”, statt. Hier habe ich mich doch sehr geärgert. Jeder versucht, jeden zu übertönen, und man kann kein vernünftiges Wort miteinander reden. So beobachtete ich einen Vater, der sich schon beim Zusammentreffen gar nicht um die Kinder kümmerte, sondern direkt das Gespräch mit seiner Frau begann. Die Kinder machten was sie wollten. Der anwesende Beamte musste mehrmals eingreifen. Wenn es dem Vater sowieso egal ist, ob er seine Kinder sieht, oder nicht, kann die Frau sich auch einen Babysitter nehmen, und dafür nicht den Beamten einspannen. Da die Mutter auch nicht eingegriffen hat, war ihr das wohl auch alles schnuppe. Dieser daraus entstandenen Lärm hat dann den ganzen Raum unterhalten, und eine weitere Unterhaltung war unmöglich. Gewisse Besucher, die sich sonst wenig zu sagen haben, versuchen entweder, eine „saftige Story” vom Nebentisch aufzufangen, oder sich mit ihrer Tat so lautstark in Szene zu setzen, dass es nur ja jeder mitbekommt, wie toll sie sich fühlen. 
Ich habe mal mehrere Monate im Krankenhaus verbracht. Dort hing ein Spruch an der Wand: „Rede nicht von deiner Krankheit, das will hier keiner wissen.” Ich wäre froh, wenn wir nicht mehr in den „blauen Salon” gehen müssten und es eine andere Lösung geben würde. Gute Manieren sind keine Überheblichkeit, sondern erwidern den Respekt, den ich genauso zurückgebe. Ich bin froh und dankbar für jede Minute, die ich mit meinem Partner verbringen darf. Die das nicht verstehen, kann ich nur zutiefst bedauern.
(Name der Redaktion bekannt)

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betrifft:  Vollzug in Sachsen.

Liebe Redaktion,
ich schreibe Ihnen als Mutter eines Inhaftierten aus Sachsen. Mein Sohn muss für 7 Jahre bleiben, und es ist dort besonders schlecht. Grundsätzlich hat sich das Land Sachsen erst einmal von der Weihnachtsamnestie ausgenommen! Einfach so, auch wenn es für meinen Sohn nicht in Frage kommt, betrifft es mögliche Andere. Während seiner U-Haft in der JVA Düsseldorf, hat er es erheblich besser gehabt. Ich habe ihn in der jetzigen JVA in Sachsen besucht. Auf mich macht das Gefängnis den Eindruck eines Konzentrationslagers. Der ganze Bau ist marode und auf dem Stand der damaligen DDR-Zuchthäuser. Die Zellen - belegt mit 2 Personen - sind noch kleiner als hier in NRW und beim Duschen ist das Wasser immer noch rationiert. Das Essen ist so schlecht und mengenmäßig wenig, dass kaum jemand davon überleben kann. Beim Besuch - egal wann - muss sich mein Sohn vor dem Besuch und auch danach völlig entkleiden. Sende ich ihm frankierte Postkarten, zur Versendung an Freunde und Bekannte, so bekommt er sie gar nicht erst ausgehändigt.
All dies wird - bei der langen Haft - aus meiner Sicht nicht zu einer problemlosen Wiedereingliederung führen, denn die Gefangenen werden dort nicht wie Menschen behandelt, sondern nach alter DDR-Manier als Tiere gehalten. 
Aber - wir als Familie werden das Schicksal schon meistern, und ich möchte mich für die pünktliche Zusendung des Ulmer Echo an mich und auch meinen Sohn herzlich bedanken. Es gibt eben noch Leute, die sich mit den Rechten oder Belangen der Minderheiten befassen.
(Name der Redaktion bekannt).

betrifft: Hilfestellung nach Entlassung

Hallo, Redaktion!
Mit großem Interesse habe ich Eure Berichte gelesen. Mein Verlobter sitzt z.Zt. auch in einer JVA und wird voraussichtlich Ende des Jahres entlassen. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir Kontaktadressen in Köln oder Bergisch-Gladbach schicken könntet, bezüglich möglicher Hilfestellungen nach der Freilassung (Geld, Wohnung, Arbeit, etc.). 
Vielen Dank im voraus.
(anonyme e- Mail)

Die Redaktion antwortete:

Leider haben wir auch keine großen Kenntnisse, was in anderen Städten an Hilfsmöglichkeiten vorhanden ist. Unser Vorschlag: Bei einer der folgenden Institutionen (es gibt sie sowohl in Köln, als auch in Bergisch-Gladbach) nachfragen, wer Straffälligenhilfe leistet und an wen Sie sich vorab, bzw. Ihr Verlobter nach der Entlassung wenden können, um Unterstützung zu erhalten. Telefonnummern sind sicher über die Auskunft zu erhalten: Diakonie, Sozialdienst katholischer Männer, Caritas, Arbeiterwohlfahrt (AWO)

betrifft: Mehr Kontakt nach draußen!

Hallo Leute,
Ich bin 16 Jahre und gehe in Düsseldorf zur Schule. Trotzdem: als Erstes möchte ich Euch mal total loben. Ich finde eure Zeitung super, finde aber, dass zu wenig Leute davon wissen. Die meisten Jugendlichen haben nicht mal eine Ahnung davon, dass in Düsseldorf ein Gefängnis ist. Ich denke, Ihr solltet jeder Schule eine eurer Zeitungen schicken, damit dort darüber geredet werden kann; für die Schüler würde das sicher abschreckend sein. Jedenfalls meine ich, wir draußen sollten mehr Kontakt zu den Gefangenen haben. Schulgruppen sollten das Gefängnis besuchen, und sich einen Eindruck machen, so wie ich es auch getan habe. Ich weiß nicht, wie ich diese Erfahrung beschreiben soll. Ich hatte total Schiss vor dem Gefängnis - und vielleicht auch vor den Insassen, man kennt so was ja nur aus dem Fernsehen. Als ich dann reinkam, sah alles genauso aus, wie im Film. Ich war geschockt und auch beeindruckt. Als ich dann mit einigen Knackis geredet hatte, habe ich festgestellt, dass es ganz normale Menschen sind. Draußen lebt man nur in dem Klischee: Wer Scheiße gebaut hat, der soll auch seine Strafe bekommen. Drinnen war manches anders: Ich war überrascht, wie aufgelockert die Insassen waren. Es wurde oft gelacht und sie redeten ganz normal mit uns. Teilweise hatte ich Mitleid, und war darüber selbst verwundert. Ich denke heute über vieles anders, und wer das nicht glaubt, sollte mal selbst so eine „Besichtigung” mitmachen. Ich jedenfalls würde gerne etwas für die Menschen „drinnen” tun. Man sollte ihnen beistehen, sofern das möglich ist. Viele bereuen ihre Taten und so sollten sie auch eine neue Chance haben. Manche sahen sehr verstört aus, denen war wohl auch alles egal, und das ist traurig und muss nicht sein. Viele hatten aber ein konkretes Bild von ihrer Zukunft vor Augen und auch Ziele, das war aufmunternd. Das finde ich voll wichtig. Man sollte niemals aufgeben. 
Ich kann diese Eindrücke nicht vergessen, auch nicht, wie einige mit der Situation klarzukommen versuchen. Ich finde es daher voll wichtig, dass ein Kontakt nach Draußen besteht, denn sonst geht die Fähigkeit, nach der Entlassung normal zu leben, verloren, und das wollen wir alle nicht.
Ich werde mir überlegen, was ich tun kann, und Ihr solltet mal über die Möglichkeit der Bekanntmachungen an den Schulen nachdenken, das wäre total cool!
Anja, 16

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betrifft: Neuzugang schreibt über das Ulmer Echo

An das Ulmer Echo.
Nun verweile ich schon 12 Tage in diesem Etablissement, übrigens das 1. Mal, und ich muss sagen, dass ich es mir schlimmer vorgestellt habe. 
Ich bin 41 Jahre alt und nach 2 Tagen PG und 1 Tag in der „Empfangsschatulle”, nun hier in U-Haft. Ich habe ein Einzelzimmer, was ich als großes Privileg betrachte. Da ich ein sehr anspruchsloser Mensch sein kann, ist es mir möglich, die jetzige Situation auszuhalten. Ich bin aber allem Neuen gegenüber aufgeschlossen, und so habe ich ein mal am „Freistunden-Kreisellaufen” und ein mal am „sich im Pausenraum anöden” teilgenommen. Beides ist nicht mein Fall.
Zum Aufbau sozialer Kontakte, haben mich die Beamten in eine Arbeitsabteilung gesteckt, dort ist es aber auch mehr als langweilig. Das Erste, was mir hier aufgefallen ist, ist die absolute Stressfreiheit. Was kann schon passieren, wenn du einen Termin nicht einhältst? Wann habe ich mir zu Hause mal die Zeit genommen, zwei Stunden aus dem Fenster zu sehen, oder drei mal täglich die Zähne zu putzen? Hier ist alles möglich. Ich habe draußen zwei Schachteln Zigaretten geraucht, hier rauche ich maximal fünf Glimmstängel, die aber mit Genuss. 
Nun werde ich zum einen mit der Gewissheit nach Hause gehen - wann das sein wird steht noch in den Sternen -, dass Resozialisierung, auf diesem Wege nicht funktioniert. Zum anderen fürchte ich, nach Aussage meines Anwalts, dass ich den Führerschein abgeben muss, den ich zur Ausübung meines Berufes brauche. Mein Weg könnte mich also hierhin zurück führen. Dieser lange Vorspann war eigentlich nicht geplant. 
Nun zu Eurem Ulmer Echo. Es ist für Jeden offensichtlich, dass es dieses Blatt nicht erst seit gestern gibt. Trotz des aus hiesiger Sicht immer noch recht ordentlichen Druckes und der zu pfleglicher Behandlung zwingenden Leimbindung. Ich bin von der professionellen Aufmachung und der Themenbehandlung beeindruckt. Großes Lob an Herrn „Pontifex”, dem ich zu der meinen Geschmack treffenden Wortwahl gratulieren möchte. Der Artikel „Die Welt mit anderen Augen sehen” und „Weltenbummler” haben mir besonders gefallen. Da das Heftchen „Inhaftiert, was tun?” auch aus Eurer Druckerei stammt und am 1. Tag mein ständiger Begleiter geworden ist, auch hierfür großes Lob und Anerkennung. Leider habe ich nur  Heft Nr. 2/2000 und die Sonderausgabe Nr. 1 auf meiner Zelle vorgefunden, aber wir sind ja auch nicht alle Intellektuelle, die pausenlos lesen. So hatte ich es zeitweilig schwer, der Thematik geistig zu folgen. Das kann natürlich auch daran liegen, dass ich erst nach 4 Tagen aus meiner „Marssturmlethargie” aufgewacht bin. Aber - die erfolgte Literaturpreisverleihung ließ schon vermuten, dass die Lektüre nicht im Comic-Stil abgehandelt wird. Gerne lese ich noch vorhandene Ausgaben des Ulmer Echo und schließe meine Gedanken an Euch damit, dass ich mich „alsbald” wieder melden werde.
Mit herzlichem Gruß
(Name der Redaktion bekannt)

betrifft: Zwiespältige Gedanken zum Duschen

Wie so oft, kommt mal wieder eins zum anderen. Mit Beginn des Ramadans erfolgt nun eine zusätzliche Essenausgabe nach der Verteilung der Abendkost. Für alle islamischen Religionsanhänger sicher eine gute Sache. Aber ungefähr zur gleichen Zeit wurden die Duschen im Spiegel zwecks Renovierung gänzlich geschlossen, und wir kommen nun Abteilungsweise in den Genuss, im E- Flügel duschen zu gehen. Was an sich auch eine gute Sache sein könnte, da die dortigen Duschen sich in einem wesentlich besseren Zustand befinden. Heißes Wasser für alle und abgetrennte Duschkabinen sorgen für ein deutlicheres Wohlbefinden beim Duschen und sorgen auch für bessere Hygiene. Wenn da nicht der zeitliche Aspekt wäre. Da die Masse der abzufertigen Menschen die Kapazitäten der Dusche übersteigt, bleibt nur, die Duschzeiten des einzelnen drastisch zu verkürzen. Und so mancher hat noch Schaum in den Augen, wenn der Ruf erschallt „fertig werden.” Auch der Gang durch den kalten Verbindungstunnel des E- Flügels mit nassen Haaren, könnte zu mancher Erkältung führen. Ein weiterer negativer Aspekt ist, dass sich, auf Grund dieser Umstände, die Umschlusszeiten weit nach hinten verschieben. Und das gilt für alle Knackis. Wäre es nicht anzudenken den Rückschluss dementsprechend auch nach hinten zu verschieben, da sich diese Situation, wegen der außerordentlich intelligenten Planung, die nächsten sieben Monate halten soll. Was sowieso absolut unverständlich ist. Wer ist für solch ausgemacht schwachsinnige Planung überhaupt verantwortlich?
(Name der Redaktion bekannt)

betrifft: Wintergedanken aus UE 3/2000

Liebe Redaktion!
Junge, Junge, Pater Wolfgang, Maximus Pontifex und Fritz Heilig, da ist Euch aber eine Ausgabe gelungen! 25 Jahre Ulmer Echo und viel weiser!
Gratulation! Ich hatte schon mal im Internet nachgeschaut, aber was ich nun wirklich vor mir liegen habe ist einfach cool und Klasse.
Mit den besten Grüßen F.B.

 
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