Macht Strafe Sinn? 
  
Beschluss der „Konferenz der katholischen Seelsorger 
an den Justizvollzugsanstalten in der BRD” 
 
Vom 9. bis 13. Oktober trafen sich in Bonn über 80 GefängnisseelsorgerInnen zur Jahrestagung der Kath. Seelsorge an den bundesdeutschen Justizvollzugsanstalten. Ihr Thema: Strafe zwischen Rache und Versöhnung. Kriminologische und theologische Referate sowie Arbeit in vielfältigen Kleingruppen mündeten in eine Erklärung, die wir im Folgenden dokumentieren.

Ein junger Gefangener, befragt nach seiner Haftstrafe: „Ja, ich bin zu Recht hier. Ich habe meine Strafe verdient.” Und was der Gefängnisaufenthalt gebracht habe: „Hier ist noch keiner besser wieder rausgekommen.”

Über den Sinn von Strafe diskutierten über 80 Gefängnisseelsorger-Innen auf ihrer Bundestagung vom 9.-13. Oktober in Bonn.

Wir erfahren, dass immer längere Haftstrafen ausgesprochen werden und der Vollzug immer härter wird. Emotional angeheizt durch Sensationsberichte in den Medien verstärkt sich das Vergeltungsdenken und überzogenes Strafbedürfnis. So irrational motiviert, ist Strafe nichts anderes als Rache. Dies kann einem modernen Staat wie dem unseren nicht angemessen sein. Der Grundpfeiler unserer Verfassung ist die Würde des Menschen. Eine Haftstrafe bedeutet nicht nur den Verlust der Freiheit, sondern stellt auch ein sozial-ethisches Unwerturteil dar, das oftmals existenzvernichtend sein kann.

Zudem verhindert die Situation in unseren Haftanstalten den Resozialisierungsanspruch - das Einüben eines verantwortlichen Lebens. Die meisten Haftanstalten sind hoffnungslos überbelegt. Der Personalmangel führt zur Überforderung der Bediensteten. Die absoluten Verschlusszeiten - das Wegsperren - werden immer länger. Ca. 40% der Gefangenen sind ohne Arbeit. Die Besuchszeiten von Frau, Kindern und Freunden werden noch weiter begrenzt. Unter dem ständig steigenden Druck kommt es immer häufiger zu Selbstmorden, obwohl die Anstalten alles versuchen, dies zu verhindern.

„Ein Vater schlägt seinem Sohn auf den Allerwertesten und sagt: Dich werde ich lehren, Deine kleine Schwester zu schlagen.” So ähnlich gehen wir mit an der Gesellschaft Schuldiggewordenen um. 

Wir GefängnisseelsogerInnen appellieren:

Wir brauchen Gedanken der Versöhnung und den Willen, Straftätern eine neue Chance zu geben. Wir fordern, alternative Wege zur Bewältigung von Straftaten aufzugreifen und konsequent zu gehen.

Wir klagen ein, einen humaneren Strafvollzug: Abbau der Überbelegung und ausreichendes, gut ausgebildetes Personal, damit das Vollzugsziel, das Bedenken und das Einüben eines verantwortlichen Lebens wieder möglich wird und neue Opfer vermieden werden.

Damit keiner mehr sagen muss: hier ist noch keiner „besser“ wieder rausgekommen!

 
 
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