Das Sanitätsrevier auf der Ulm 

Von Maximus Pontifex 
 
Wenn du das Sanitätsrevier aufsuchen musst, geht es dir normalerweise nicht so gut. Unter diesen meist gegebenen Voraussetzungen hat es die Crew des Reviers mit uns nicht immer leicht. Trotzdem hat der Leiter des Reviers, Herr Haupt, für seine Mitarbeiter die Losung ausgegeben: es wird bei uns bestmöglich geholfen und sich die größtmögliche Mühe gegeben, nach den heute gängigen, therapeutischen und medikamentösen Gesichtspunkten zu helfen.

Alles können die Leute nicht machen, aber Behandlungen, die im eigenen Verantwortungsbereich liegen oder vom Arzt verordnet sind, werden dann auch mit Perfektion und der erforderlichen Fachkenntnis ausgeführt. Und sauber ist es!

Wie schon der Landesrechnungshof in seinem Bericht ausgeführt hat, werden Gefangene besser medizinisch versorgt, als manch Einer  draußen. Das liegt insbesondere an den teils teuren Medikamenten, die ein Anstaltsarzt, anders als ein freier Arzt draußen, der von den Kassen beschränkt ist, verordnen kann. Und unser Dr. Azarbayedjan tut dies oft, sehr zum Leidwesen des Landesrechnungswesens. Aber das Land traut sich nicht, in die Medikationsfreiheit des Arztes einzugreifen.

So hat es - nach persönlicher Kenntnis des Autors - auch schon Mitgefangene gegeben, die sich hier durch Spezialbehandlungen soweit erholt haben, dass z.B. Amputationen unterbleiben konnten, oder langwierige Krankheitsbilder langsam aufgelöst werden konnten. Auch die vorhandene kleine Bäderabteilung ist eine sehr sinnvolle, therapeutische Einrichtung, die mehr genutzt werden sollte.

Sicher kann auch die Crew im Revier es nicht jedem recht machen, und wenn der „weiße Beamte” zehn mal angemacht worden ist, bekommt der Elfte eben die Retourkutsche ab, selbst wenn er der Falsche ist! Ist zwar traurig, aber so ist Knast und alle müssen das abkönnen. Es gilt, wie überall, die Regel: Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus! Und leider kennt der Autor durch mehrere „Urlaube mit JVA-Tours” auch andere Sanitätsreviere. ich kann sagen, ein solch fortschrittliches Revier sucht seinesgleichen! Trotzdem bleibt der Dienst für die Crew ein schmaler Grat zwischen Pflegedienst und Dienst als Beamter im Knast. Da müssen eben andere Maßstäbe angesetzt werden, als in der Ambulanz der Uni-Klinik Düsseldorf!

Neben dem festen Arzt, Herrn Dr. Azarbayedjan, der eigentlich für ein offenes Wort ist, sich Mühe gibt und auch mal ein paar Minuten Zeit für den Einzelnen hat, wenn es nötig ist, gibt es als Konsiliarärzte: Eine Zahnärztin, den Augenarzt, Hautarzt, HNO-Arzt, Neurologen und Psychiater. Ein externer Optiker kommt alle 14 Tage ins Haus. Durch diese Auswahl an Fachärzten sind für den Gefangenen unliebsame Ausführungen, die oft demütigend sind, nahezu unnötig geworden. Nur Befunde, die aus ärztlicher Sicht der stationären Behandlung bedürfen, werden nach Fröndenberg, ins JVK, delegiert. Von dort gibt es überwiegend positive Berichte; Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Crew, bestehend aus Herrn Haupt, Herrn Prenger, Herr Dühring, Herrn Osterloh, Herrn Strontzek, Herrn Braun, Herrn Möllersmann, Herrn Raskopf, Herrn Weber, Frau Kiel und Frau Klein, ist so eingeteilt, dass eine 24 Stunden-Präsenz gewährleistet ist, und in der Nachtschicht immer ein Verantwortlicher da ist. Die Erfahrung hat gezeigt, dass auch der Nachtdienst fast immer beschäftigt ist. So kommt es hoffentlich hier nicht vor, dass ein Gefangener, der Hilfe erbittet, einfach „vergessen oder übersehen” wird, wie uns authentische Berichte aus anderen Haftanstalten berichten.

Neben der personellen Besetzung sind die Räumlichkeiten hervorzuheben. Die Behandlungsräume, die Büros und die Warteräume, sind hell, freundlich und sauber - dafür sind zwei Hausarbeiter Revier verantwortlich. Eine Zahnarztpraxis aus 1994, ein Augenarztplatz aus 1996 und auch ein Röntgengerät (welches bald erneuert wird!) sind auf aktuellem Stand. Die vorhandene EDV-Anlage, angeschlossen an den anstaltseigenen Computer, hilft bei der Datenerfassung. Ärztliche Schweigepflicht ist hier selbstverständlich.

Erwähnenswert ist, dass durch die Vormeldung des Patienten über den Abteilungsbeamten bis morgens um 7 Uhr, sichergestellt ist, dass eine Arzt-Vorstellung am gleichen Tage erfolgt. Wer sich später als 7 Uhr meldet, ist am folgenden Tag dran. Akute Fälle oder Schmerzpatienten können nach wie vor jederzeit zum Sani. Wer also das Revier nutzen will oder muss, kann sicher sein:
„Da werden Sie geholfen!“

      
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