Zahnärztin zwischen Richtlinien und ärztlichem Wollen 

Von Maximus Pontifex 

Über die besondere Qualität unseres zahnärztlichen Dienstes brauchen wir nicht zu diskutieren. Jedem hier ist bekannt, dass „fast Unmögliches möglich gemacht wird.” Aber wie ist das zu bewerten, wenn wir hinter die Verordnungsrichtlinien schauen? Frau Dr. Plaum-Ditze hat für das Ulmer Echo Stellung genommen. 

Stellungnahme unserer Zahnärztin
Seit Ende 1999 haben sich die Verordnungsrichtlinien für die Zahnbehandlung Inhaftierter entscheidend geändert. So habe ich pro Gefangenem, pro Quartal, einen Behandlungssatz von DM 100,- zur Verfügung! Das reicht gerade mal, um einen Zahn zu ziehen und Zahnstein wegzumachen. Für Kariesbehandlungen oder zahnerhaltende Maßnahmen wäre da gar kein Platz! Ich aber bin in erster Linie Ärztin, und das steht bei mir im Vordergrund. Die finanzielle Seite kommt erst danach. So haben sicher schon die meisten hier festgestellt, dass ich bereit bin, erheblich mehr zu tun, als ich bezahlt bekomme, und das wird auch so bleiben. In dem Zusammenhang bitte ich dann um Verständnis, dass bei den ohnehin schon recht langen Wartezeiten, nicht alles sofort und nicht jeder umfassend bedient werden kann. Ich werde mich trotzdem bemühen, weiterhin alle Patienten zufrieden zu stellen, aber es muss auch alles zeitlich zu regeln sein.. Mein persönlicher Zwiespalt zwischen meiner Aufgabe als Ärztin und den Verordnungsrichtlinien aber bleibt. 

Im Kollegium der behandelnden Zahnärzte in Justizvollzugsanstalten des Landes NRW haben wir auf die ärztliche Erfüllungspflicht hingewiesen und an das Ministerium der Justiz in NRW geschrieben - wir haben noch nicht einmal eine Antwort erhalten! Bedenkt man dabei, dass drogenabhängige Patienten vor Antritt einer Therapie einen Gesundheitsstatus auch vom Zahnarzt brauchen, so frage ich mich manchmal, wie ich das ohne z.B. dringend erforderliche Behandlungen machen soll, wenn der Kostenplan dafür nichts vorsieht. Ich jedenfalls habe vor, meine Aufgabe weiterhin so zu erfüllen, wie bisher, bitte aber auch um Verständnis dafür, dass Sonderbehandlungen, so sie denn möglich sind, eben Zeit in Anspruch nehmen. Um einen zügigen und dauerhaft funktionierenden Ablauf in der Zahnarztpraxis zu gewährleisten, habe ich die Bitte an meine Patienten, kooperativ daran mitzuarbeiten. So habe ich dann mehr Zeit für Einzelbehandlungen. Selbstverständlich gelten alle alten Voraussetzungen für Notfall- und Schmerzpatienten nach wie vor. Hier gibt es keine Kostenbegrenzung, und ich stehe in Notfällen auch mal abends oder am Wochenende zur Verfügung. So hoffe ich weiterhin auf zufriedene Patienten." 

Wir danken für die Stellungnahme. Aus anderen Knästen gibt es ganz deutlich von anderen Erfahrungen zu berichten! Wir sind froh, dass wir hier von einer Zahnärztin behandelt werden, die Idealismus und Ihre Berufung in die Versorgung ihrer Patienten einbringt!

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