Der „offene Vollzug” - Regelvollzug? 
... oder Gefährdung der Bürger? 
Betrachtungen angesichts wachsender Bestrafungslus
Von Rudi Clug 

 Wenige spektakuläre Ausnahmen können ein Bild leicht auf den Kopf stellen. So wurde an Hand der auf der Flucht von Herrn Zurwehme begangenen Verbrechen in den Medien der Bevölkerung jede Menge Angst gemacht. Das diente dann als Signal zu einer Treibjagd auf den offenen Vollzug bzw. Vollzugslockerungen im allgemeinen. Die vehemente Forderung: „Zurück zum harten Vollzug” ist mit einem „Zurück ins Mittelalter” gleichzusetzen. Die Frankfurter Soziologie Professorin Cremer-Schäfer sieht in diesen Vorgängen eine „Dramatisierungsschraube” am Werk: zuerst werde die Angst vor einer „neuen Unterklasse” geschürt, um anschließend „autoritäre Strategien und soziale Ausgrenzung zu rechtfertigen”. Die veröffentlichte Meinung erzeugt öffentliche Meinung, und ausgleichende Stimmen, welche die bei weitem überwiegenden positiven Aspekte der Vollzugslockerungen ins rechte Licht setzen, kommen nicht zu Wort. Beabsichtigt oder unbeabsichtigt? Vielleicht steht dahinter eine politische Agenda, vielleicht auch nur die Tatsache, dass gute Nachrichten keine Nachrichten sind. 

Tatsache ist: bundesweit verstößt etwa 1% der dort Untergebrachten gegen die Bestimmungen des offenen Vollzugs. Das schließt kleinste Vergehen mit ein; so wird u.a.. „Aufenthalt außerhalb der Anstalt ohne Genehmigung” als „entweichen” definiert, das gleiche gilt für eine um einen Tag verspätete freiwillige Rückmeldung, egal ob aus persönlicher oder sozialer Notlage geboren. Vergehen (im Sinne von „eine Straftat begehen”) machen allerdings nur 20% dieser Fälle aus. Diese 0,2% der von Vollzugslockerungs Betroffenen aber entsprechen ziemlich genau dem Bevölkerungsanteil auf freiem Fuß, der eine Straftat begeht. Mithin kann von einer zusätzlichen Gefährdung der Allgemeinheit keine Rede sein. Öffentlich geäußerte Meinungen wie: „Wer sitzt, hat es auch verdient! Wenn der Richter gewollt hätte, dass der vier Jahre macht, dann hätte er ihm auch vier und nicht sechs gegeben! Einschließen und Schlüssel wegwerfen!”, spiegeln eher einen Bestrafungswunsch als die Angst vor neuen Straftaten wider. In der Zumessung einer Freiheitsstrafe werden Aspekte wie Schuldausgleich und Strafe berücksichtigt; der Vollzug der Freiheitsstrafe als solcher soll darüber hinaus keine weitere Strafe sein. Die Strafe ist der Entzug der Freiheit. Und das in Artikel 3 Grundgesetz formulierte Gleichheitsprinzip gilt natürlich auch für Gefangene. 
Vollzugsziel Resozialisierung - nur eine Phantasie? 
Das Ziel des Vollzugs der Freiheitsstrafe ist durch den Gesetzgeber klar definiert. Das Strafvollzugsgesetz (StVollzG) definiert in §2: „Der Gefangene soll fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftat zu führen.", und sieht den offenen Vollzug als Regelvollzug, um dieses Ziel zu erreichen. Es wäre allerdings eine irrige Annahme, zu glauben, dass auf dieser Grundlage die überwiegende Anzahl der Gefangenen dem offenen Vollzug zugeführt wird. Offenen Vollzug gibt es lediglich für „besonderen Anforderungen” genügenden Inhaftierte, für die aber dann auch für alle. So urteilte u.a. das OLG Frankfurt, dass Ablehnung der Unterbringung im offenen Vollzug wegen fehlender Plätze in einer Anstalt nicht statthaft sei, sofern Plätze in einer anderen Anstalt zur Verfügung stehen. Die Zusatzerklärung des §2 „... dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten." ist von Gerichten in vielfältiger Hinsicht konkretisiert worden, so vom Bundesverfassungsgericht, das 1998 feststellte: „Die Erprobung des Gefangenen umfaßt das Eingehen eines vertretbaren Restrisikos." Natürlich ist es für die Allgemeinheit sinnvoll, wenn zugunsten einer Minimierung der langfristigen Risiken erneuter Straffälligkeit nach der Entlassung kurzfristige Risiken in Kauf genommen werden. Denn das Erreichen des Vollzugsziels impliziert ja gerade diesen Schutz der Allgemeinheit. Insofern muss nicht nur der Gefangene, sondern auch und gerade die Allgemeinheit ein Interesse an der Resozialisierung haben. Andernfalls müsste, um absoluten Schutz zu gewährleisten, jede Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verbunden werden. Das wäre abstrus. Mit dem gleichen Recht könnte dann nämlich auch Sicherheitsverwahrung für die gesamte Bevölkerung verlangt werden, deren Straffälligkeitsrisiko ja ähnlich hoch oder niedrig ist, wie das der Vollzugsgelockerten. 
Paradoxerweise sträuben sich die betroffenen Behörden hier gegen eine Maßnahme, die neben den langfristigen Strukturverbesserungen auch noch gravierende Einsparungen zur Folge hätte. So wurde die im §201 StVollzG ursprünglich vorgesehene Frist zur Schaffung ausreichender Plätze im offenen Vollzug ersatzlos gestrichen. Eine Erklärung dafür gibt das „Vollzugskonzept 2000” des Landesjustizministers von NRW aus dem Jahr 1989 auf Seite 88: „Die Annahme, dass zunehmend Gefangene mit längeren Freiheitsstrafen und schwereren Straftaten in den Vollzug gelangen werden, die nicht oder erst später für eine Unterbringung im offenen Vollzug geeignet sind, begründet im übrigen die derzeitige Auffassung, dass eine Erweiterung der Haftplatzkapazität im offenen Erwachsenenvollzug (Männer) nicht vertretbar wäre.” 
Die Annahme erwies sich als falsch: die Gesamtzahl der zu mehr als fünf Jahren Verurteilten blieb über die letzten 10 Jahre fast konstant, der deutlichste Zuwachs ist im Strafmaßbereich bis zu 12 Monaten zu verzeichnen. 
Offener Vollzug: Privileg für Privilegierte? 
Schlagworte wie „Hotelvollzug”  u.ä. haben dafür gesorgt, dass für den Außenstehenden der offene Vollzug mit Freigang gleichgestellt wird. Nichts läge der Wahrheit ferner. Beim offenen Vollzug handelt es sich lediglich um eine Unterbringungsform, bei der die Anstalt geringere Maßnahmen gegen Entweichungen trifft. Auch offen mit Öffnung gleichzusetzen, wäre nicht korrekt, da die Öffnung sich nur auf interne Freiheiten bezieht. Ohne genehmigte Lockerungen ist kein Aufenthalt außerhalb der offenen Vollzugsanstalt statthaft. Die kontinuierliche Rückläufigkeit der Versagerquote im offenen Vollzug bei gleichzeitiger erheblicher Zunahme der Anzahl Untergebrachter unterstreicht die positiven Wirkungen dieser Vollzugsform. Sicherlich muss berücksichtigt werden, dass es sich hier um eine Positivauswahl unter den Gefangenen handelt: die Population im offenen Vollzug unterscheidet sich erheblich von der im geschlossenen. Bei Strafantritt waren im offenen Vollzug mehrheitlich fester Wohnsitz, Arbeitsplatz und  soziale Bindungen vorhanden, auch hatte nur etwa 1/3 der hier Inhaftierten eine Vorstrafe. Dagegen hatten im geschlossenen Vollzug lediglich 1/3 der Inhaftierten Hauptschulabschluss und 15% eine berufsqualifizierende Lehrausbildung; weniger als 5% sind hier gelernte Fachkräfte und 60% waren bei Strafantritt arbeitslos. Die vor der Haft Arbeit hatten, waren zumeist als Hilfsarbeiter beschäftigt. 
Wer also wird im offenen Vollzug untergebracht? 
StVollzG „§11 (1) Ein Gefangener soll mit seiner Zustimmung in einer Anstalt oder Abteilung des offenen Vollzuges untergebracht werden, wenn er den besonderen Anforderungen des offenen Vollzuges genügt und namentlich nicht zu befürchten ist, daß er sich dem Vollzug der Freiheitsstrafe entziehen oder die Möglichkeiten des offenen Vollzuges zu Straftaten mißbrauchen werde. 
(2) Im übrigen sind die Gefangenen im geschlossenen Vollzug unterzubringen. Ein Gefangener kann auch dann im geschlossenen Vollzug untergebracht oder dorthin zurückverlegt werden, wenn dies  zu seiner Behandlung notwendig ist.” 
Die Entscheidung über die Unterbringung treffen die von der Landesjustizverwaltung bestimmten Stellen anhand von Verwaltungsvorschriften, die die Eignung durch die Negativdefinitionen „ausgeschlossen”, „ungeeignet” und „eine besonders gründlichen Prüfung erfordern” bestimmen.
Ausgeschlossen und ungeeignet 
Grob gesagt heißt das: Ausgeschlossen sind Gefangene bei angeordneter Untersuchungshaft, Auslieferungs-, oder Abschiebehaft; vollziehbarer Ausweisungs- oder Abschiebeverfügung; angeordneter Sicherheitsverwahrung oder sonstiger Unterbringung im Maßregelvollzug. 
Ungeeignet sind Gefangene: die erheblich suchtgefährdet sind; während des laufenden Freiheitsentzug entwichen sind oder an Fluchtversuch, Meuterei oder Ausbruchsversuch teilgenommen haben; gegen die ein Ausweisungs-, Auslieferungs-, Ermittlungs- oder Strafverfahren anhängig ist; von denen zu befürchten ist, dass sie einen negativen Einfluss (auf Mitgefangene) ausüben. Besonderes gründlicher Prüfung bedürfen Gefangene: die während des laufenden Freiheitsentzugs Sexualdelikte, grobe Gewalttätigkeiten oder Verstöße gegen das BtmG begangen haben; die der organisierten Kriminalität zuzurechnen sind; gegen die der begründete Verdacht auf Handel oder Einbringung von Stoffen im Sinne des BtmG besteht. Die dann Übriggebliebenen sollen in den offenen Vollzug verlegt werden. Bundesweit pegelt sich das bei etwa 20% der Strafgefangenen (ca. 11.000 von 56.000) ein, in einigen Bundesländern scheint die Zahl der bösen Buben erheblich größer und somit das Häuflein der sieben Aufrechten erheblich kleiner zu sein. Im Saarland waren es 0,9% und in Bayern 3,7%. Daher erklärt sich wohl auch die geringe Anzahl der in diesen Bundesländern zur Verfügung stehenden Plätzen. (Oder wirkt sich die niedrigere Zahl von Plätzen dahingehend aus, dass weniger als geeignet befunden werden?)
Das Differenzierungsgebot 
§ 141 des StVollzG (Differenzierung) sagt: „(1) Für den Vollzug der Freiheitsstrafe sind Haftplätze vorzusehen in verschiedenen Anstalten oder Abteilungen, in denen eine auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Gefangenen abgestimmte Behandlung gewährleistet ist. 
(2) Anstalten des geschlossenen Vollzuges sehen eine sichere Unterbringung vor, Anstalten des offenen Vollzuges keine oder nur verhindernde Vorkehrungen gegen Entweichungen.” Und §143 macht Vorschriften zu „Größe und Gestaltung der Anstalten”: 
 „(1) Justizvollzugsanstalten sind so zu gestalten, daß eine auf die Bedürfnisse des einzelnen abgestellte Behandlung gewährleistet ist. 
 (2) Die Vollzugsanstalten sind so zu gliedern, daß die Gefangenen in überschaubaren 
Betreuungs- und Behandlungsgruppen zusammengefaßt werden können.” 
Eigentlich sollte in allen Anstalten eine nach Sicherheitsbedarf differenzierte Unterbringung stattfinden, also auch innerhalb der Anstalten des geschlossen Vollzuges Abteilungen mit geringeren Sicherheitsvorkehrungen nach innen eingerichtet werden. Die maximal für notwendig befundenen Sicherheitsvorkehrungen sollten nicht automatisch für alle Inhaftierte gelten, sondern abgestufte Abteilungen geschaffen werden. Das geschah meist nicht. Zusätzlich wurde im §201 StVollzG mit der Ausnahmeregelung für Altanstalten (das waren nach Definition die vor 1977 erstellten - in NRW 36 von 40) die perfekte Umgehungsmöglichkeit des Differenzierungs- bzw. Gestaltungsgebotes geschaffen, indem die „ist” Vorschrift der §§ 141 und 143 in eine „soll" Vorschrift umgewandelt wurde und somit die bindende Verpflichtung entfiel, Änderungsmaßnahmen durchzuführen. Die Vollzugspraxis stellt die Absicht des Gesetzgebers auf den Kopf. Statt die Anstalten den je nach Inhaftiertem erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen anzupassen, werden die Gefangenen den Gegebenheiten der vorhandenen Anstalten zwangsangepasst. Das trägt sicher nicht dazu bei, die gewünschten Resultate zu erzielen! Dabei hätte eine weitere Differenzierung auch im geschlossenen Vollzug sowohl ein graduelles Heranführen an die Gegebenheiten im offenen Vollzug als auch ein mögliches Disziplinarmittel im geschlossenen Vollzug bedeutet. Dem standen und stehen neben chronischem Mangel an  Mitteln  auch die Baustruktur dieser Altanstalten entgegen, die im Vollzugskonzept 2000 des Landesjustizministers NRW von 1989 als verbraucht (Aachen I ), mangelhaft und grundlegende Erneuerung erforderlich (Dortmund) verbesserungsbedürftige Infrastruktur, insbesondere hinsichtlich der Unterbringungsbereiche (Düsseldorf) usw. gewertet wurden. 
Lockerungen des Vollzuges 
Nach erfolgter Unterbringung wird über die Gewährung von Lockerungen nach §11 StVollzG allein von den Vollzugsbehörden entschieden. Um es ganz klar zu sagen: die Vollstreckungsbehörden (Staatsanwaltschaft bzw. Gerichte) haben absolut keine rechtlichen Befugnisse in diesen Entscheidungsprozess einzugreifen; sie können einen Kommentar, möglicherweise auch eine Empfehlung aussprechen, aber mehr auch nicht. Das wurde auf Grund einer Klage vom OLG Celle1988 klargestellt. Dies unter anderem auch wegen der möglichen späteren Befangenheitssituation, da es durchaus denkbar ist, dass der gleiche Richter eine Rechtsbeschwerde bei Ablehnung von Vollzugslockerungen prüfen müsste. StVollzG § 11  „(1) Als Lockerung des Vollzuges kann namentlich angeordnet werden, dass  der Gefangene (1) außer-halb der Anstalt regelmäßig einer Beschäftigung unter Aufsicht (Außen-beschäftigung)  oder ohne Aufsicht eines Vollzugsbediensteten (Freigang) nachgehen darf oder für eine bestimmte Tageszeit die Anstalt unter Aufsicht (Ausführung) oder ohne Aufsicht eines Vollzugsbediensteten (Ausgang) verlassen darf. 
(2) Diese Lockerungen dürfen mit Zustimmung des Gefangenen angeordnet werden, wenn nicht zu befürchten ist, dass  der Gefangene sich dem Vollzug der Freiheitsstrafe entziehen oder die Lockerungen des Vollzuges zu Straftaten missbrauchen werde.” 
Ausführung und Außenbeschäftigung sind  nur im juristischen Sinn als Lockerungen zu verstehen, da es sich ja de facto lediglich um Verwahrung außerhalb der Anstalt handelt. Unsinnig erscheint in diesem Zusammenhang die gängige Praxis, Vollzugslockerungen aus dem geschlossenen Vollzug als Bewährungsgrundlage für die Verlegung in den offenen Vollzug anzuwenden. Vollzugsgewöhnte können hervorragend mit ihrem Leben im Vollzug umgehen, sind aber völlig hilflos und überwältigt vom plötzlichen Freiheitsangebot des Lebens draußen. Zusätzlich entstehen Konfliktsituationen unter den Gefangenen, besonders falls ein Ausgangsberechtigter einem „Nicht-Lockerungsberechtigten” die Einbringung unerlaubter Artikel ablehnen sollte. Das kann soweit gehen, dass ein Gefangener auf ihm eigentlich zustehende Lockerungen verzichtet, um diesem Druck zu entgehen. Deshalb sollte die Unterbringung im offenen Vollzug schnellstmöglich und wie vom Gesetzgeber vorgesehen ohne Rücksicht auf die verbleibende Strafdauer vorgenommen werden. Eine anschließende Erprobung im Sinne der Hausordnung des offenen Vollzuges kann dann die schrittweise Gewährung weiterer Lockerungen einleiten. Die Verlegung in den offenen Vollzug sowie die Gewährung von Lockerungen darf keinesfalls als unmittelbare Entlassungsvorbereitung verstanden werden, sondern als gradueller Prozess, der einen gewissen Zeitraum in Anspruch nimmt. Die nach Vollzugsplan zu erwartende  Reststrafe darf kein Entscheidungsfaktor sein, da eine mögliche Bewährung im offenen Vollzug einen direkten Einfluß auf die verbleibende Strafdauer haben kann. Keine Eigenverantwortung ohne Transparenz Direkt beeinflusst wird die Versagensquote im Vollzug von der Transparenz der Entscheidung: zum einen betreffs der Unterbringung im geschlossenen oder offenen Vollzug, zum anderen bezüglich der Gewährung oder Versagung von Lockerungen sowie einer möglichen vorzeitigen Entlassung. Das überproportionale Versagen in den ersten drei Monaten des offenen Vollzugs (60% aller Verstöße fallen in diesen Zeitraum) ist sicherlich mit Überforderung der Gefangenen einschließlich der Ungewissheit, ob der Verbleib von Dauer ist, zu erklären. Ein ähnlich unproportionaler Anstieg (25%) in den ersten drei Monaten nach Ablauf der 2/3 Frist hat zumindest teilweise seine Ursachen in Enttäuschung und Frust. Wer nicht weiß, wann er Frau, Kinder, Freunde oder einfach die Freiheit wiedersehen wird, ist viel eher geneigt, Spielräume zu miss-brauchen und die Zukunft in die eigene Hand zu nehmen. Speziell sollte nach einmal gewährten Lockerungen wie Ausgang oder Urlaub der nächste Zeitpunkt unbedingt bekannt gegeben werden.
  
Auf Rückverlegung folgt die höchste Rückfallquote 
Die absolut höchste Rückfallquote nach der Entlassung weisen die aus dem offenen in den geschlossenen  Vollzug Rückverlegten aus: schon deshalb sollte nicht bereits der kleinste Verstoß mit Rückverlegung, sondern bei Verbleiben im offenen Vollzug wie in einem normalen Arbeitsverhältnis mit zunächst mündlicher, dann schriftlicher Abmahnung beantwortet werden. Die Rückverlegung sollte dann als letztes Mittel bleiben. Sicherlich gehört ein Teil der Betroffenen zum harten Kern der kaum oder nur schwer Resozialisierbaren; trotzdem sollte eine Rückverlegung das letzte Mittel und die Ausnahme bleiben. Für den Gefangenen ist deshalb wichtig: bei der Erstellung des Vollzugsplans muss darauf gedrängt werden, dass ein konkreter Zeitraum für den Einsatz von Lockerungen vorgesehen wird; spätere Änderung oder Ablehnung auf Grund vorher bekannter Dinge ist dann nämlich nicht statthaft. Die Grenzen zwischen einzelnen Lockerungsmaßnahmen sind fließend: wem Ausgang abgelehnt wird, sollte es mit „Begleitausgang” versuchen, d.h. Ausgang in Begleitung einer Vertrauensperson aus Familie, Gefängnisverein usw. Es handelt sich hierbei nicht um eine Ausführung, denn diese impliziert Begleitung durch einen Vollzugsbediensteten. Wem Urlaub abgelehnt wird, sollte es mit Sonderurlaub versuchen. Da die dann im Gegensatz zum Urlaub erforderliche Begründung einer Überprüfung durch die Anstalt standhalten muss, sollte sie tunlichst der Wahrheit ent-sprechen. Gleiches gilt für die Angabe eines  Arbeitsverhältnisses zur Erreichung von Freigang. Vor einem Scheinarbeitsverhältnis ist zu warnen: das erfüllt den Tatbestand nach §258 StGB „Vollstreckungsvereitelung” und wird als „Vorbereitung einer Straftat” mit sofortiger Rückverlegung in den geschlossenen Vollzug beantwortet. Abgesehen davon macht sich auch ein Scheinarbeitgeber strafbar. 
 
Urlaub - eine Lockerungsmaßnahme? 
Urlaub wird nicht als Vollzugslockerung sondern als Resozialisierungs- und Behandlungsmaßnahme betrachtet. Das heißt natürlich nicht, dass Betroffene mit geringem Bedürfnis (wenn es sich z.B. um die Wiedereingliederung in ein noch intaktes Umfeld handelt) keinen Urlaub bekommen; hier kommt vielmehr die allgemeingültige Forderung des §3 StVollzG „Schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges ist entgegenzuwirken” zum Tragen. Im Unterschied zu Lockerungen wie Ausgang oder Freigang sind für den Urlaub Inhalt und Zweck sowie Art und Weise der Durchführung nicht vorgeschrieben. Urlaub ist relativ frei gestaltbar, dient dem Kontakterhalt oder -aufbau und der Integration; somit ist  für Urlaubsgewährung kein besonderer Anlass erforderlich. Als Voraussetzung für die Gewährung muss lediglich eine Bedingung erfüllt sein: das Fehlen der Flucht- oder Missbrauchsgefahr. Sicherlich kann (und wird) Bewährung bei vorangegangenen Lockerungsmaßnahmen als Indikator für (nicht) vorhandene Flucht- oder Mißbrauchsgefahr genutzt werden; sie ist aber keine zwingende Voraussetzung für Urlaubsgewährung. Im Gegensatz dazu sind bei Sonderurlaub Inhalt und Zweck definiert; somit handelt es sich dabei eigentlich um Ausgang mit Übernachtung außerhalb der Anstalt. Das eine Urlaubsadresse angegeben werden muss, versteht sich, ebenso wie die Tatsache, dass es sich bei der Gewährung um eine „Kann-Regelung" handelt, fast von selbst. Der Urlaub muss im Geltungsbereich des StVollzG stattfinden, was einen Auslandsurlaub ausschließt. Wo in diesem Geltungsbereich der Urlaub stattfinden muss, darf nicht vorgeschrieben werden; wo jemand seinen Urlaub nicht machen darf, allerdings schon. Urlaubsberechtigung bezieht sich auf das Kalender und nicht auf das Vollstreckungsjahr und frühestens kann ein Inhaftierter nach sechs Monaten Strafhaft Urlaub erhalten. Falls sich die Strafhaft unmittelbar an eine längere Untersuchungshaft anschließt, kann Urlaub auch vor der Sechsmonatsfrist gewährt werden. Für den Zeitraum der Untersuchungshaft selbst besteht keine Urlaubsberechtigung. Urlaub ist auch aus dem geschlossenen  Vollzug möglich, allerdings darf die Reststrafe 18 Monate nicht überschreiten. Da es sich hier nicht um eine reine Erholungsmaßnahme handelt, wird erwartet, dass der Urlaub gestückelt und vorzugsweise an den Wochenenden genommen wird. Für jede einzelne Gewährung ist ein neuer Antrag erforderlich, der mindestens einen Monat vorher gestellt werden muss. Dies ist im Falle der Antragsablehnung im Interesse des Gefangenen, da somit jeder nachfolgende Antrag wieder neu unter Berücksichtigung der möglicherweise veränderten Umstände geprüft werden muss. Zu empfehlen wäre allerdings, dass bei Zustimmung diese gleichzeitig für mehrere Urlaube gewährt wird. Das würde nicht nur den Verwaltungsaufwand erheblich reduzieren, sondern gleichzeitig auch die gewünschte Transparenz gewährleisten. Im Versagensfall würde dann die Genehmigung widerrufen und ein neuer Antrag müsste gestellt werden. 
Beim Hafturlaub liegt (anders als z.B. bei Haftverschonung) keine Unterbrechung der Strafvollstreckung vor: die Strafzeit läuft also während des Urlaubs weiter. Da die Vollzugsanstalt für die Vollstreckungskosten verantwortlich ist, ist sie bei Bedarf auch für die Urlaubskosten verantwortlich. Falls kein Eigengeld vorhanden ist, wäre der Rückgriff auf Haus- oder Überbrückungsgeld nicht statthaft. Sicherlich sinnvoll, denn ansonsten müßte der Urlaub von den ohnehin schon in mehrfacher Hinsicht belasteten Angehörigen getragen werden oder auch einfach nicht stattfinden. 
 
Beschwerlicher Weg ins neue Leben ... 
Die Zielsetzung des Strafvollzugszug ist nur unter konsequentem Einsatz differenzierter Unterbringungs- und Lockerungsmaßnahmen zu erreichen. Deshalb ist die Aufhebung der Ausnahmeregelung des §201 StVollzG zu fordern. Wirtschafliche Aspekte (wie das Fehlen von Geld-Mitteln) dürfen dem nicht im Wege stehen, da es sich hier um ein übergeordnetes Interesse der Allgemeinheit handelt. Der logische Ablauf der Progression wäre von der Unterbringung im geschlossen Vollzug (falls dieser über-haupt erforderlich ist) über Lockerungsabteilungen des geschlossenen Vollzugs schnellstmöglich in den offenen Vollzug; erst dann sollte die Gewährung von Lockerungen einschließlich Urlaub zur schnellstmöglichen Wiedereingliederung in das normale Leben einsetzen. 
Besondere Hilfe ist auch auf dem Arbeitsmarkt erforderlich, wo der zusätzlich durch Vorstrafe Belastete ohne Hilfe wenig Chancen hat. Bis zur Erreichung der materiellen Grundvoraussetzungen für ein eigenständiges Leben in Straffreiheit muss  ein Netz zur Verhinderung sozialer Not nach der Entlassung entstehen, dass die Rückfallgefahr auf das unvermeidbare Mindestmaß reduziert. Denn mit vollzuglichen Maßnahmen allein, so erstrebenswert sie sein mögen, ist die Zielsetzung des Strafvollzugsgesetzes derzeit nicht erreichbar. 
 
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